Verordnung gegen Elektrosmog
Kernspintomographie auf der Kippe

Die EU zieht in den Kampf gegen Strahlenbelastung, den sogenannten Elektrosmog. Auch wenn nicht geklärt ist, ob zum Beispiel Magnetfelder überhaupt schädlich auf den Menschen wirken, kommt nun eine Verordnung, welche die Arbeitnehmer schützen soll. Bei der Kernspintomographie sind solche Belastungen unvermeidlich – und daher fürchten Mediziner um eines ihrer besten Diagnosegeräte.

FRANKFURT. Ärzte schlagen Alarm: Eine Arbeitsschutz-Verordnung aus Brüssel könnte die europäischen Krankenhäuser zwingen, ihre Kernspintomographen einzumotten. Der Grund sind die starken Magnetfelder, die nötig sind, um mit dieser Technologie Krebs und andere schwere Krankheiten zu diagnostizieren. Da umstritten ist, ob sich dieser Elektrosmog negativ auf die Gesundheit auswirkt, will die EU-Kommission die Geräte aus dem Kliniken verbannen.

Obwohl die Direktive nicht auf medizinisches Fachpersonal gemünzt ist, befürchten viele Ärzte, dass sie künftig nicht mehr mit Kernspintomographen arbeiten können. Der europäische Radiologenverband ESR will deshalb morgen beim zuständigen EU-Kommissar Vladimir Spidla auf eine Sonderregelung für medizinische Anwendungen drängen.

Kernspin- oder auch Magnetresonanztomographen (MRT) bilden das Körperinnere in Form einer Serie von Schnittbildern ab. Der Vergleich mit Abbildungen von gesundem Gewebe ermöglicht es dem Arzt, Gewebeveränderungen zu erkennen. Weil dieses Verfahren einen entscheidenden Beitrag zum medizinischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte geleistet hat, wurden Paul Lauterbur und Peter Mansfield, 2003 für die Erfindung der MRT mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

„MRT ist eine Schlüsseltechnologie für die Diagnose und Behandlung von Krebs, Herzkreislauf-Erkrankungen und neurologischen Störungen“, sagt Gabriel Krestin, Medizinprofessor an der Erasmus-Universität Rotterdam. „Zudem würde die Direktive in ihrer jetzigen Form die Forschung erheblich einschränken, weil dort häufig mit deutlich stärkeren Magnetfeldern gearbeitet wird“, sagt der Unterzeichner der vom Radiologenverband initiieren „Allianz für MRT“.

Auch Mary Baker, Präsidentin des europäischen Neurologenverbands EFNA, unterstreicht die zentrale Bedeutung der Technologie für die Diagnose und Behandlung von Hirntumoren und Krankheiten wie Multiple Sklerose. „In ihrer jetzigen Form verletzt die Verordnung die Interessen der Patienten“, sagt sie.

Hintergrund des umstrittenen Brüsseler Vorstoßes ist die Angst vor einer Gesundheitsgefährdung durch Elektrosmog. Um die Arbeitnehmer vor dieser möglichen Gefahr zu schützen, erließ die EU-Kommission bereits 2004 die Verordnung, die für eine einheitliche Arbeitsschutzregelung sorgen soll. Bis spätestens April 2008 müssen die Mitgliedsstaaten die Richtlinie in nationales Recht umsetzen.

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