Verpackung
Mit Hightech um die Wurst

Eine Fleisch-Verpackung muss gleich mehrere Aufgaben erfüllen: Einerseits soll sie den Inhalt attraktiv und appetitlich erscheinen lassen, andererseits muss auch Qualität und Hygiene stimmen. Moderne Lebensmittelverpackungen wirken antibakteriell und sind oft sogar noch kochfest.
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DÜSSELDORF. Die Firma Steinhaus aus Remscheid ist berühmt für ihren Fleischaufschnitt. Daneben bietet die Feinkost-Abteilung auch Nudeln und Soßen, die der hungrige Verbraucher vor dem Verzehr in der Mikrowelle oder in heißem Wasser warm machen kann. Dafür muss er nicht mal die Verpackung aufreißen, sodass die Finger sauber bleiben. So bequem geht es inzwischen auch bei den Bratenspezialitäten des Hauses, denn die verschweißte Folie hält selbst bei Ofentemperaturen von über 200 Grad. „Ähnliche Folien gibt es zwar schon“, sagt Helmut Gerfer, Qualitätsmanager bei Steinhaus. Aber jede Verpackung müsse ein Hersteller auf die eigenen Produkte anpassen.

Im wesentlichen müssen moderne Verpackungen zwei Aufgaben erfüllen. Sie sollen einerseits den Verbraucher auf den Inhalt aufmerksam machen und das Produkt appetitlich erscheinen lassen. Sie sind aber ebenso für die Qualität verantwortlich, damit die Hygiene stimmt und der Inhalt möglichst lange frisch bleibt. Ein großer Trend sind nach wie vor „Convenience“-Produkte, deren Verpackung möglichst einfach zu handhaben sein soll.

„Das Material ist eine Schlüsselkomponente“, sagt Horst Langowksi, vom Lehrstuhl für Lebensmittelverpackungstechnik in Freising-Weihenstephan am Wissenschaftszentrum für Ernährung, Landnutzung und Umwelt. „Große Hersteller bieten heute schon Hunderte verschiedener Verpackungsfolien an, und es erfordert viel Fachkenntnis, für den aktuellen Anwendungsfall die richtige Folie auszuwählen.“

Kein Wunder also, dass überzeugenden Verpackungskonzepten häufig enge Partnerschaften zwischen Verpackungs- und Lebensmittelherstellern vorausgehen. So wie bei Wipak und der Käserei aus der Allerstedter Poelmeyer-Gruppe. Wipak aus dem niedersächsischen Bomlitz hat erst kürzlich eine Käsefolie entwickelt, die den Sauermilch-Käse atmen und in der Verpackung weiter reifen lässt. Dabei besteht die künstliche Haut zu 95 Prozent aus natürlichen Rohstoffen und ist damit sehr umweltverträglich.

„Es ist schon bemerkenswert, wie sich in den letzten Jahren die Käseverpackungen geändert haben“, sagt Verpackungsexperte Langowski. Denn sie können je nach Bedarf nicht nur Luft durchlassen. Sie erhalten eine bestimmte Atmosphäre innerhalb der Verpackung aufrecht. Wenn sich Mikroorganismen nicht vermehren sollen, wird die Verpackung mit purem Kohlendioxyd angereichert – für die Bazillen tödlich. Und „aktive“ Verpackungen binden Sauerstoff. „Bei Bier in Kunststoff-Flaschen sind solche Absorber sogar ein wichtiger Bestandteil des Verpackungssystems“, erklärt Langowski. In seinem Forschungsinstitut untersucht Langowski beispielsweise natürliche Aktivverpackungen aus Molkeproteinen, die nicht nur umweltfreundlich sind, sondern auch antibakteriell wirken. Von der Marktreife sind solche Produkte jedoch noch weit entfernt, stellt Langowski klar. Zudem zweifeln einige Verpackungs- wie Lebensmittelproduzenten, ob aktive Verpackungen in der Regel überhaupt sinnvoll sind.

Die Skepsis hat nicht nur finanzielle Gründe, weiß Tobias Thiele, Leiter des Anwendungszentrums beim Verpackungsmaschinenhersteller Multivac im schwäbischen Wolfertschwenden. „Gute Verpackungsmaschinen gewährleisten heute bereits einen sehr geringen Restsauerstoffwert“, sagt Thiele. Im Klartext: Eigentlich lassen die Maschinen beim Großteil der Frischware keinen Sauerstoff mehr in der Verpackung. „Eine Haltbarkeit von mehr als acht Wochen macht bei den meisten frischen Lebensmitteln ohnehin keinen Sinn“, fügt Thiele hinzu.

Dafür müssen aber auch die Verpackungsmaschinen strenge Anforderungen erfüllen. Ein häufiges Manko ist dabei die Hygiene der Geräte. Die neuste Generation der Multivac-Automaten hat beispielsweise so gut wie keine Hohlräume mehr, in denen sich schmutziges Wasser sammeln kann. Dafür setzen die Schwaben vorwiegend schräge Flächen ein. Und statt stumpfem Plexiglas Wasser abweisende Edelstahlabdeckungen. Die sind leichter zu reinigen.

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