Verteilungskämpfe
Mehr Kriege durch Klimawandel

Der Klimawandel könnte die Zahl bewaffneter Konflikte im südlichen Afrika deutlich wachsen lassen. Eine aktuelle Untersuchung geht von knapp 400 000 zusätzlichen Kriegstoten allein in den beiden kommenden Jahrzehnten aus.
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HB NAIROBI/WASHINGTON. Amerikanische Wissenschaftler befürchten eine Zunahme bewaffneter Konflikte und Bürgerkriege in Afrika als Folge des weltweiten Klimawandels. Bei der Untersuchung von Konflikten der Vergangenheit sei eine Häufung kriegerischer Auseinandersetzungen in Jahren mit überdurchschnittlichen Temperaturen festgestellt worden, begründeten die Wissenschaftler in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) ihre Theorie.

Die Gründe liegen nahe: In Zeiten von Dürre und Wasserknappheit sind Konflikte um Wasser, Weideland und Landwirtschaftsflächen wahrscheinlicher. Wird die herausragende Rolle der Landwirtschaft für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt der schwarzafrikanischen Länder berücksichtigt, drohen mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft auch neue Konfliktherde. Vor allem die Gebiete südlich der Sahara werden nach heutiger Einschätzung besonders hart von der globalen Erwärmung betroffen sein.

Nach den Berechnungen des Agrarökonomen Marshall Burke von der Universität Berkeley und seiner Kollegen könnte die Zahl bewaffneter Konflikte angesichts des zu erwartenden Temperaturanstiegs bis zum Jahr 2030 in Afrika um rund 54 Prozent steigen, wodurch es bis zu 393 000 Kriegstote geben würde.

Um neue blutige Kriege in Afrika zu vermeiden, schlagen die Wissenschaftler Maßnahmen zur Sicherung von Ernteerträgen, Versicherungen für Bauern bei Ernteausfällen und schnelle Reaktionen der reichen Länder auf die Folgen des Klimawandels vor.

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