Videoüberwachung
Big Brother schaut zu

Laut einer Studie verringert Videoüberwachung nur unwesentlich die Kriminalität. Was also bringt der Einsatz von Überwachungskameras? Am Hamburger Institut für kriminologische Sozialforschung werden die Folgen von Videoüberwachung untersucht.

HAMBURG. Meist sieht man sie nur, wenn man Kopf und Augen hebt. Meist hängen sie in Höhe des ersten Stocks, unter der Decke oder an einem Laternenpfahl, und fast nie machen sie Geräusche. Oft übersieht man Überwachungskameras. Wie viele es in Deutschland gibt, weiß niemand so genau. Die meisten Videoüberwachungssysteme werden privat betrieben: von Einkaufszentren, Sicherheitsdiensten oder Parkhäusern. Nur etwa 100 Kameras standen bislang im Dienst der Polizei, die mit ihnen seit 1996 so genannte Kriminalitätsschwerpunkte beobachtet - die meisten, 14 Stück, gab es erstaunlicherweise im Städtchen Limburg an der Lahn.

Doch die Fußball-Weltmeisterschaft gibt Anlass zum Aufrüsten: In Hamburg wurden gerade zwölf Kameras auf der Reeperbahn in Betrieb genommen, öffentliche Übertragungen der WM-Spiele sollen in mehreren Bundesländern überwacht werden, ebenso die Anfahrtswege zum Stadion. Zwar protestieren Bürgerrechtler und Datenschützer, doch die meisten Menschen stören sich wenig an der Überwachung: Zwischen 50 und 70 Prozent finden sie sogar gut.

Und das, obwohl die Kameras kaum dabei helfen, Kriminalität zu verringern. Das zeigte eine Studie im Auftrag des britischen Innenministeriums: Nur in Parkhäusern konnten mit den Kameras Diebstähle entscheidend verringert werden, und zwar vor allem dann, wenn noch helle Beleuchtung und Schilder hinzukamen, die auf die Videosysteme hinwiesen. In Stadtzentren, Wohngebieten oder im öffentlichen Nahverkehr hatte die Überwachung kaum Wirkung. Gegen Gewaltverbrechen waren sie praktisch nutzlos.

Warum also verbessern die Kameras bei vielen Menschen dennoch das subjektive Sicherheitsgefühl? Und können Videokameras unbeliebte Gegenden in einer Stadt wieder zu Orten machen, an denen die Menschen sich wohlfühlen? Diesen Fragen gingen Wissenschaftler im Projekt "Stadt, Raum, Überwachung" am Institut für kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg nach. Gefördert werden die Studien von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

"Wir wollten wissen, wie die Menschen städtische Räume wahrnehmen und welche Auswirkungen das auf ihre Einstellung zur Videoüberwachung hat", erklärt Nils Zurawski, Leiter des Projekts. Dazu nutzen die Sozialwissenschaftler eine Methode der Verhaltensgeographie: Cognitive Mapping. Damit lässt sich erfassen, wie Menschen auf Grund von eigenen Erfahrungen oder Medienberichten ihre Umgebung sehen - und wie die Landkarte aussieht, die sie darüber im Kopf gespeichert haben.

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