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Viel mehr Maserntote als befürchtet

Die Zahl der Todesfälle durch Masern ist in Deutschland mindestens fünf Mal so hoch wie bisher angenommen. Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) sei bisher von bundesweit ein bis zwei Maserntoten pro Jahr ausgegangen.

dpa BIELEFELD/KöLN. Die Zahl der Todesfälle durch Masern ist in Deutschland mindestens fünf Mal so hoch wie bisher angenommen. Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) sei bisher von bundesweit ein bis zwei Maserntoten pro Jahr ausgegangen.

Das berichtet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (Köln). Jedoch habe allein das auf die tödliche, vom Masernvirus ausgelöste Hirnentzündung Sspe spezialisierte Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg seit 1988 pro Jahr zwischen fünf und zehn Fälle diagnostiziert. Zuletzt wurde die Krankheit bei einem Sechsjährigen aus dem Raum Bielefeld erkannt.

Der Verband rief Eltern eindringlich zum Impfen ihrer Kinder auf. Die nicht ansteckende Sspe (subakute sklerosierende Panenzephalitis) ähnelt der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und ist wie diese unheilbar. Sie tritt erst fünf bis sieben Jahre nach einer Maserninfektion auf. Ursache ist das Eindringen von Masernviren ins Gehirn. Dort zerstörten sie Nervenzellen.

„Wir wissen nicht, weshalb bei manchen Menschen diese Erkrankung ausbricht und bei anderen nicht“, sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) am RKI, Prof. Heinz-J. Schmitt von der Universitätsklinik Mainz. „Jungen scheinen häufiger betroffen zu sein als Mädchen. Eine Therapie gegen die Sspe gibt es leider nicht.“ Je jünger Kinder bei einer Maserninfektion seien, desto höher sei das Risiko, später an einer Sspe zu erkranken. Bei Kindern unter einem Jahr könne laut britischen Studien sogar eins von 5 000 mit Masern infizierten eine Sspe bekommen.

Nach Angaben des Verbandes bekommen nur 85 Prozent der Kinder in Deutschland die erste Masernimpfung, die zweite sogar nur 60 Prozent. Nach Expertenansicht wären 90 Prozent bei beiden Impfungen notwendig, um das Masernvirus wie etwa in Nord- und Südamerika zu eliminieren. Die Impfmüdigkeit in Deutschland behindert die angestrebte Ausrottung der Masern in Europa.

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