Viele Unternehmen wollen Internetnutzung überwachen oder einschränken
Webfilter sollen Produktivität steigern

Die Mitarbeiter der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) können das Internet seit Anfang des vergangenen Jahres auch an ihrem Arbeitsplatz erreichen. Allerdings nur ausgewählte Internetseiten. Denn wenn die DAK- Angestellten Webseiten aufrufen wollen, die eher ihrem privaten Vergnügen dienen, etwa solche mit Erotikbildern oder Musikdateien, erscheint eine Meldung auf ihrem Bildschirm: Diese Inhalte, teilt ihnen ihr Computer dann mit, seien für sie leider gesperrt.

HB DÜSSELDORF. Möglich macht das ein Programm der Webwasher AG, Paderborn. Das Programm ist auf dem zentralen Server der Krankenkasse installiert und entscheidet darüber, welche Internetseiten zur Arbeit eines Krankenkassen-Mitarbeiters gehören – und welche nicht.

Die Webwasher-Software ist ein so genannter „Webfilter“, ein Programm, das nur zugelassene Netzseiten passieren lässt. „Unter Webfiltering versteht man ganz allgemein Maßnahmen, die den Zugang zu bestimmten Inhalten im Internet kanalisieren oder auch gänzlich blockieren können“, sagt Wolf Osthaus, Netzexperte vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom). Webfilter sind dabei ein Teil von so genannten Secure-Content- Management-Lösungen, zu denen auch Antivirus-Schutzwälle und Software zum E-Mail-Filtern etwa gegen Spam gehören.

Durch drei verschiedene Methoden können Webinhalte gefiltert werden. Der einfachste Weg ist das Sperren mittels bestimmter Stichwörter. Das ist jedoch problematisch, weil etwa das Blockieren des Wortes „Sex“ auch Seiten über sexuelle Aufklärung oder den Netzauftritt der südenglischen Grafschaft Middlesex blockiert.

Daneben gibt es Programme, die über den Zugang nach standardisierten Labels entscheiden, die Internetseitenbetreiber in die Kopfzeilen ihrer Seiten schreiben müssen. Einen solchen Filter hat etwa die internationale Non-Profit-Organisation Internet Content Rating Association (ICRA) mit der Software „ICRAplus“ im Angebot. Diese Methode funktioniert jedoch nur, wenn die Betreiber ihre Seiten auch tatsächlich ehrlich kennzeichnen.

Das Programm von Webwasher arbeitet mit der dritten Methode: einer schwarzen Liste von bestimmten Seiten. Bei Webwasher umfasst diese Liste 58 Kategorien, zum Beispiel „Pornografie“ oder „Aktien/ Börse“. Die Datenbank wird in der Paderborner Firmenzentrale kontinuierlich von einem Suchprogramm mit Hilfe einer automatisierten Inhaltsauswertung aktualisiert. Zweifelsfälle überprüfen 30 freie Mitarbeiter manuell. Anschließend wird die neue Liste an die Kunden überspielt, bei denen der Filter installiert ist. Damit setzte das Paderborner Unternehmen, Marktführer in Deutschland, im vergangenen Jahr 7,2 Mill. Euro um. Für dieses Jahr erwartet der Vorstandsvorsitzende Horst Joepen sogar zwischen zehn und 18 Mill. Euro Umsatz.

Ebenso wie das Geschäft von Webwasher wächst der gesamte Markt für Webfiltering. So konnte der weltweite Marktführer Surfcontrol plc, London, seinen Umsatz mit Filterprogrammen im vergangenen Jahr um 51 % auf 54 Mill. Dollar steigern. Der Gesamtmarkt für Webfilter soll nach Einschätzung der Unternehmensberater von Frost & Sullivan von derzeit 247 Mill. Dollar Umsatz auf 777 Mill. Dollar im Jahr 2007 wachsen.

Der Markt legt zu, weil immer mehr Unternehmen die Internetnutzung ihrer Mitarbeiter überwachen oder zumindest einschränken wollen. Denn während Webfiltering im privaten Bereich vor allem dem Jugendschutz dient, haben Betriebe handfeste wirtschaftliche Gründe zum Sperren bestimmter Bereiche des Internets. So lenken Angebote wie Internet-Shopping oder Spiele die Mitarbeiter von der Arbeit ab und schmälern ihre Produktivität.

Auch werden Übertragungskapazitäten inzwischen als wertvolle Ressource angesehen – und die muss vor privaten Downloads geschützt werden. Darüber hinaus können Filter die Unternehmensnetze vor Computerviren und -würmern schützen, die sich in den einströmenden Daten verstecken. Die Internetfilter sind derzeit so erfolgreich, weil sie in den vergangenen Jahren ausgereift sind – ein Fehlalarm ist immer seltener geworden.

„Dies ist einer der wenigen Software-Märkte, der die Einschätzungen für 2002 sogar übertroffen hat“, sagt Brian Burke vom Marktforschungsunternehmen IDC. „Und die wirtschaftlichen Umstände werden das Wachstum in den nächsten Jahren weiter vorantreiben.“

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