Vor 30 Jahren flog Sigmund Jähn ins All
Der Sieger im deutsch-deutschen Space-Race

Westdeutschen Medien war der Raumflug zumeist nur eine Randnotiz wert - die Wahl von Papst Johannes Paul I. war wichtiger. Mit Häme bedachten sie aber die Hysterie im Osten. „Was da an Propagandarummel entfaltet wurde, das erweckte beinahe den Eindruck, als habe ein Ostdeutscher soeben das Raumfahrtzeitalter eröffnet“, spottete etwa „Der Spiegel“ und stellte fest, dass ein Flug in den Weltraum doch längst zur Routine geworden sei. Die Bundesrepublik zog erst fünf Jahre später nach, als Ulf Merbold - ebenfalls ein gebürtiger Vogtländer - ins All flog.

Jähn kam hoch hinaus, aber er stapelte stets tief - was ihm große Sympathien einbrachte. „Er ist ein ganz bescheidener Mann“, sagt der Bürgermeister von Morgenröthe-Rautenkranz, Konrad Stahl (CDU). Etwa einmal im Monat kommt der heute 71 Jahre alte Jähn, der seit Jahren in Strausberg bei Berlin wohnt, noch in sein Ferienhaus im Vogtland. Für die Ostdeutschen blieb „Siggi“ einer von ihnen.

Er habe sich nie als Held gefühlt, sagt Jähn. Der Rummel sei ihm eher peinlich gewesen. Auch heute geht er Journalisten lieber aus dem Weg. Und so bezeichnete der damalige Bundespräsident Johannes Rau Jähn an dessen 65. Geburtstag 2002 auch als „Held wider Willen“, der sich immer treugeblieben sei. „Sie haben vielen Menschen das Gefühl gegeben, zum ersten Mal sei „einer von uns“ hinaus ins All geflogen“, sagte Rau.

Die Zeit nach der Wende sei für ihn, der eine sozialistische Bilderbuch-Karriere hingelegt hatte, zunächst schwer gewesen, bekennt Jähn. Die Bundeswehr wollte ihn wie viele andere Offiziere nicht beschäftigen. Dass er dennoch wieder Fuß fasste, war auch Ulf Merbolds Verdienst. Die Raumfahrer kannten sich seit 1984 und hatten den Mauerfall 1989 zusammen bei einer Konferenz in Riad (Saudi- Arabien) erlebt. Merbold organisierte Jähn einen Job als Berater der europäischen Raumfahrtorganisation ESA und des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR). „Ohne ihn wären viele deutsche Astronauten sicherlich nicht mit den Russen ins All geflogen“, sagt DLR-Sprecher Andreas Schütz über Sigmund Jähn.

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