Vorsorge bei Sex-Problemen
Die Männerversteher

Männer gehen bei sexuellen Problemen seltener zum Arzt als Frauen. Am Vivantes Klinikum in Berlin bieten Andrologen deshalb speziellen Rat und Vorsorge an. Der Besuch bei den Fachärzten soll für Männer so selbstverständlich werden wie für Frauen der Gang zum Gynäkologen.

BERLIN. Wenn es um das Thema Gesundheitsvorsorge geht, sind Männer eher zurückhaltend. „Das starke Geschlecht geht zu selten und zu spät zum Arzt“, sagt Wolfgang Harth, Facharzt und Leiter des Schwerpunktes „Männergesundheit“ im Vivantes Klinikum Berlin-Friedrichshain, das als eines der wenigen Anlaufstellen dieser Art in Deutschland kürzlich die Arbeit aufgenommen hat. Laut Statistischem Bundesamt nehmen 50 Prozent der Frauen Vorsorgeuntersuchungen wahr, aber nur 15 Prozent der Männer. Möglicherweise bestehe hier ein Zusammenhang zwischen der medizinischen Besserversorgung der Frauen und der geringeren Lebenserwartung der Männer, so der Androloge Harth.

Das Männerzentrum bietet seinen Patienten neben geschlechtsspezifischen Vorsorgeuntersuchungen, regelmäßige Basischecks und eine umfassende Beratung. Es gibt Männer-Sprechstunden, ein Fruchtbarkeitslabor und speziellen Männersport. Außerdem werden Erektionstests sowie Operationen angeboten, die eine Sterilisation rückgängig machen.

„Der Androloge ist das Pendant zum Gynäkologen“, erklärt der Berliner Arzt. Wobei sich der Aufgabenbereich aus mehreren Teilgebieten zusammensetzt, die – wie Harth betont – sich nicht nur um Reproduktionsmedizin und Vorsorgeuntersuchungen drehen. In den Sprechstunden kommen auch Altersschwierigkeiten zur Sprache: „Auch Männer kommen in die Wechseljahre, was lange verkannt worden ist“, berichtet der Arzt.

Zum Andrologen zu gehen, sollte für Männer so selbstverständlich werden, wie für Frauen, regelmäßig den Gynäkologen aufzusuchen. Bislang wird die Berliner Klinik allerdings vor allem wegen Probleme mit der Fruchtbarkeit und Potenz aufgesucht. „In einem speziellen andrologischen Labor kann dies gezielt untersucht werden“, sagt Harth. Für manchen ist dies mit einer bitteren Erkenntnis verbunden: Erektionsprobleme müssen nicht immer psychische Ursachen haben. In einem von fünf Fällen deuten sie auf hormonelle und neurologische Störungen oder Gefäßerkrankungen. Dann ist die belastende Tabuangelegenheit ein ernster Vorbote für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Harth: „Der Penis ist ein Gradmesser für das Herz-Kreislaufsystem.“

So sieht das auch Frank Sommer, Deutschlands erster Professor für Männergesundheit an der Urologischen Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE): „Wird aufgrund einer Erektionsstörung eine Gefäßverengung im Penis diagnostiziert, ist das ein hervorragender Indikator für einen in vier bis acht Jahren eintretenden Herzinfarkt“, sagt der Arzt. Nachdem jeder zweite bis dritte Infarkt tödlich endet, biete diese Diagnose die Chance, frühzeitig vorzubeugen.

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