VW-Käfer
Ein Stück mexikanischer Industriegeschichte

In Mexiko ist der VW-Käfer so landestypisch wie Tequila, Sombreros oder Mariachi-Musiker. Ob als Taxi oder als Privatwagen, ob in der Hauptstadt oder in der Provinz - der „Vocho“ prägt im Lande der Azteken weiterhin das Straßenbild.

HB/dpa MEXIKO-STADT. Seit der Einstellung der Käferproduktion in Brasilien, wo der Wagen bis 1986 und dann noch einmal kurz von 1994 bis 1996 vom Band lief, ist Mexiko das einzige Land, in dem der vor 70 Jahren von Ferdinand Porsche entwickelte Kleinwagen noch gebaut wird. Er hat dort auch ein Stück Industriegeschichte geschrieben.

Die ersten VW-Käfer wurden 1954 importiert als Mexiko noch weitestgehend ein Agrarland war. Die Produktion am Standort Puebla rund 125 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt begann 1967. Zum Käfer gesellten sich später mit dem Golf, dem Jetta und zuletzt dem New Beetle neue Modelle. Heute ist Volkswagen de Mexico S.A. de C.V. mit rund 14 000 Mitarbeitern und sieben Mrd. $ Umsatz das mit Abstand größte deutsche Unternehmen in Mexiko. VW ist für Mexiko aber auch eine wichtige Devisenquelle, denn 80 % der Produktion werden exportiert. Der Jetta geht vor allem in die USA, und mit dem New Beetle beliefert das Werk in Puebla den gesamten Weltmarkt. Dank Volkswagen und seiner Mitbewerber stieg Mexiko zum neuntgrößten Autoproduktionsstandort der Welt auf.

Der Käfer hatte gleich seit seiner Markteinführung in Mexiko 1954 großen Erfolg, weil er so schön leicht zu warten und so geländegängig war. Außerdem gab es in Mexiko damals keine Kleinwagen. Die Mexikaner seien von einer „Volkswagenitis“ gepackt worden, heißt es in einer Werkschronik. Insgesamt wurden in Puebla rund 1,7 Mill. Käfer gebaut. 1981 lief dort der weltweit 20-millionste Käfer vom Band, 1992 der 21-millionste. Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl am 20. September 1996 das Werk besuchte, wurde ihm der 21 300 000. Käfer übergeben. Der Kanzler vermachte ihn einem Waisenhaus.

VW-Mexiko hat den Käfer technisch weiterentwickelt: 1993 erhielt er ein Einspritzsystem und einen geregelten Drei-Wege-Katalysator. Damit verschwand der Käferfreunden bekannte doppelte Auspuff zu Gunsten eines einzigen Rohres. Gleichzeitig wurde das „Ecotaxi“ geboren, die grün gestrichene Variante des Käfertaxis in Mexiko- Stadt. Davon rattern heute noch mehr als 80 000 durch die Millionen- Metropole.

Seit einigen Jahren hatte der Käfer aber nur einen geringen Anteil an der Gesamtproduktion von VW-Mexiko. Im vorigen Jahr waren es noch 24 000 Exemplare, während gleichzeitig 200 000 Jettas und rund 100 000 New Beetle gebaut wurden. Mit einem Listenpreis von 74 000 Pesos (rund 6200 €) bleibt der Käfer zwar eines der billigsten Autos in Mexiko. Anders als früher ist er im untersten Preissegment aber nicht mehr konkurrenzlos. Die Nachfrage ist stark geschrumpft.

Ein Rundgang durch das Volkswagenwerk in Puebla ist wie eine Reise durch zwei Automobilzeitalter, die dort unter einem Dach koexistieren. Während bei der Jetta- und Beetle-Produktion längst moderne Roboter im Einsatz sind, werden beim alten Käfer noch die Karosserieteile per Hand zusammengeschweißt. Zuletzt arbeiteten noch rund 400 Mitarbeiter in der Käferabteilung. Sie fänden im Werk jetzt andere Tätigkeiten, versichert VW-Sprecherin Christine Kuhlmeyer. Niemand werde wegen der Einstellung der Käferproduktion entlassen.

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