W-Lan und Bluetooth
Funk-Technologien erobern die Fabriken

Noch empfangen die meisten Maschinen ihre Aufträge per Kabel. Einige Roboter werden aber bereits per Funk gesteuert – so testete das Daimler-Chrysler-Werk in Sindelfingen eine entsprechende drahtlose Technologie. Der zentrale Vorteil: Die Roboter sind mobiler, sie können an verschiedenen Orten in der Fabrikhalle arbeiten.

BERLIN. Neu ist der Einsatz von Funk in der Automatisierung nicht. „Firmenspezifische Lösungen gibt es schon lange“, sagt Martin Müller, Marketingleiter für die Business Unit „Automation Systems“ beim Funktechnik-Spezialisten Phoenix Contact. Seit einigen Jahren nutzen die Unternehmen für ihre Fertigung aber auch Standardtechnik wie Wireless Lan (W-Lan) und Bluetooth. Diese Technologien sind mittlerweile so ausgereift, dass sie sich für die Automation eignen. „Wir haben diese Standardprodukte für das Industrieumfeld angepasst“, sagt Müller. Schließlich sind die Bedingungen in der Fabrikhalle rauer als im Büro.

Beide Technologien eignen sich für unterschiedliche Anwendungen: Bluetooth ist dann die beste Wahl, wenn geringe Datenmengen über eine kurze Entfernung gesendet werden sollen, beispielsweise bei Fertigungsanlagen oder der mobilen Wartung von Maschinen. Auf der Hannover Messe wird Phoenix eine neue Bluetooth-Übertragungseinheit präsentieren. Sender und Empfänger sind bei der Auslieferung aufeinander eingestellt. Das erleichtert nicht nur die Inbetriebnahme. Es bedeutet zudem, dass ausschließlich Sender und Empfänger miteinander kommunizieren können – und zwar verschlüsselt.

W-Lan hingegen überträgt hohe Datenraten über längere Distanzen – auch im Freien. Auf der Hannover Messe sind Systeme zu sehen, die speziell für den Außeneinsatz entwickelt wurden. Bei Temperaturen zwischen minus 33 und plus 55 Grad Celsius funken die Geräte mit einer Reichweite von über 20 Kilometern.

Zuverlässigkeit und Sicherheit sind bei der Automation entscheidend – diese Ansprüche werden auch an die Funktechniken gestellt. „Automatisierungshersteller sind sehr kritische Kunden mit sehr hohen Anforderungen“, so die Erfahrung von Frank Seufert, Product Manager Industrial Networking beim Kommunikations-Anbieter Hirschmann. Der Stillstand einer Anlage könne schließlich einen hohen finanziellen Schaden verursachen. „Die Anforderung an drahtlose Netzwerke besteht darin, eine ebenso hohe Sicherheit der Datenübertragung zu gewährleisten wie kabelbasierte Systeme“, so Seufert. „Tatsächlich kann drahtlose Technik diesen Anforderungen nicht gerecht werden.“ Sie sei daher eher die Ergänzung eines kabelbasierten Netzwerks und kein Ersatz.

Wie drahtlose Übertragung in der Automation zuverlässig funktioniert, zeigen die Sonderbereiche Wireless Automation und Secure Automation auf der Interkama im Rahmen der Hannover Messe. In den Spezialschauen wird auf zahlreiche Herausforderungen eingegangen. So lauern in vielen Fabriken Störquellen, die eine zuverlässige Funk-Kommunikation gefährden – beispielsweise elektromagnetische Strahlungen von Motoren. „Um diese in den Griff zu bekommen, ist eine sorgfältige Funkzellenplanung wichtig“, sagt Reinhard Hüppe, Geschäftsführer des Fachverbands Automation im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Bevor man ein Funknetz einrichtet, müsse man jede mögliche Störquelle in der Umgebung identifizieren. Das kann die Mikrowelle im Pausenraum sein, aber auch die Toll Collect-Brücke vor der Fabrikhalle. Funkstrecken sind außerdem offene Verbindungen – wie bei anderen IT-Anwendungen in Unternehmen ist deshalb das Thema Viren und Hacker nicht zu vernachlässigen.

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