Wachsender Wettbewerb erschwert das Geschäft
Aussichten für Office sind bescheiden

Wenn Bill Gates, der Gründer von Microsoft, heute die Bühne im Saal des Millennium Broadway Hotel in New York für den Stapellauf der neuen Büro-Software Office 2003 erklimmen wird, dann dürfte es für einige Zuhörer ein Déjà-vu-Erlebnis werden. Denn die Marketing-Strategen haben denselben Veranstaltungsort wie vor zehn Jahren gewählt. Damals stellte Gates die allererste Office-Software vor.

FRANKFURT/REDMOND. Seither hat das Paket – bestehend aus der Textverarbeitung „Word“, dem Tabellenkalkulationsprogramm „Excel“, der E-Mail- , Kalender- und Adressverwaltung „Outlook“ sowie dem Präsentationsprogramm „PowerPoint“ – die Schreibtische von 350 bis 400 Millionen Menschen erobert. Die Tageszeitung USA-Today erklärt „Office“ zu den „Beatles der Computersoftware“, denn wie im Fall der Musik der vier Pilzköpfe gibt es kaum jemanden, der die Office-Programme nicht kennt.

„Office“ ist für Microsoft – der Softwarekonzern legt am Donnerstag Quartalszahlen vor – ein Goldesel. „Word“ und Co. werden in der Sparte „Information Worker“ zusammengefasst. Mit einem Umsatzanteil von 28,6 % im Geschäftsjahr 2002/03 (zum 30. Juni) ist sie die zweitgrößte Microsoft-Einheit. Sie trägt neben Windows wesentlich zum Gewinn des Softwareriesen bei. Die operative Marge der Microsoft-Einheit „Information Worker“ liegt bei rund 76 %.

Doch nach zehn Jahren fällt es Microsoft zunehmend schwerer, die Kunden immer wieder aufs Neue davon zu überzeugen, die nächste Version zu kaufen. Denn die meisten Anwender, egal ob in den Unternehmen oder am heimischen PC, nutzen nur einen Bruchteil der Möglichkeiten und sehen daher noch wenige Gründe, sich eine neue Version zuzulegen. „Wer erwartet, dass die neue Office-Version die Umsätze antreiben wird, der wird enttäuscht werden“, sagt Analystin Heather O’Loughlin von State Street Global Advisors in Boston.

Hinzu kommt ein wachsender Wettbewerb. Zwar hat Microsoft bei Büroanwendungen einen Weltmarktanteil von 90 Prozent. Doch Konkurrenten wie der Server-Spezialist Sun (Star Office) oder Corel (Word-Perfect) treten mit aggressiven Preisen auf. Damit seien beide Produkte gerade für vorinstallierte und preisgünstige Rechner attraktiv, räumt das Microsoft-Management im jüngsten Geschäftsbericht offen ein. Gleichzeitig gewinnt das auf dem offenen Betriebssystem Linux basierende lizenzfreie Paket „OpenOffice“ mehr Fans.

„Wir rechnen nicht mit einem explosionsartigen Umsatzanstieg durch Office 2003“, sagt Microsoft-Vertriebschef Kevin Johnson. Vielmehr wolle der Softwarekonzern durch den Umstieg auf Office 2003 seine langfristige Strategie untermauern, Software mit einem Wartungsvertrag (Software-Assurance) zu koppeln. Dabei erwerben die Anwender zusammen mit der Lizenz eine regelmäßige Wartung gegen eine Mietgebühr.

Zudem will Microsoft das Image seiner Standardsoftware aufwerten. Nach den Vorstellungen der Microsoft-Manager soll Office künftig „von strategischem Wert“ für Unternehmen sein. Sie sollen die Software künftig effizienter einsetzen können, zum Beispiel durch weniger Clicks beim Wechsel zwischen den einzelnen Programmen. Damit würde „Office“ näher an den Status von Unternehmenssoftware heranrücken, wie sie etwa von SAP, Oracle oder Peoplesoft produziert wird.

Tatsächlich dürften Unternehmen mehr vom neuen „Office“ profitieren als Privatnutzer. In den vergangenen drei Jahren haben sich die Entwickler stark auf die Bedürfnisse von Unternehmen konzentriert. Zum Beispiel sollen neue Server-Technologien die Teamarbeit erleichtern. So werden etwa virtuelle Arbeitsräume für Projektgruppen geschaffen und Onlinekonferenzen möglich gemacht.

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