Wärme aus der Kanalisation: Abwasser hilft beim Heizen

Wärme aus der Kanalisation
Abwasser hilft beim Heizen

Im Osloer Vorort Sandvika hilft das Abwasser beim Energiesparen. In der Kanalisation gewonnene Wärme sorgt für behagliche Temperaturen in 56 meist mehrgeschossigen Häusern des Viertels. Nur wenn es Spitzenbedarf zu überbrücken gilt, springt die erdölbefeuerte Zentralheizung ein.

DÜSSELDORF. Bereits vor 17 Jahren entschieden sich Oslos Stadtplaner zu dem pfiffigen Vorhaben. Die Energiezentrale wurde so gelegt, dass zwei Wärmepumpen von je 6,5 Megawatt Leistung die Abwärme aus dem Abwasserhauptkanal nutzen können. Sie entziehen dem vorgereinigten und gefilterten Abwasser einige Grad Wärmeenergie und decken so rund 80 Prozent der Wärme- und Kälteenergieproduktion des Viertels. Denn im Sommer lässt sich die gewonnene Energie zur Kühlung eines Teils der Häuser nutzen. Norwegen, in diesem Jahr Partnerland der Messe E-World Energy & Water, ist damit ein Vorreiter auf dem Gebiet der Nutzung von Abwasserwärme.

Auf ähnliche Weise deckt auch das Städtchen Winterthur in der Schweiz den Wärmeenergiebedarf für ein Neubaugebiet mit 400 Wohnungen. Hier wird mittels einer 820-Kilowatt-Wärmepumpe geheizt, die dem Abwasser über Wärmetauscherrohre Energie entzieht. Die Bewohner sparen so rund 70 Prozent konventionelle Heizwärme ein. Trotz zunächst höherer Investitionen als bei einer Gasheizung zahlt sich die Technik langfristig aus. Die Winterthurer sparen bei den Jahresheizkosten rund zwölf Prozent gegenüber einer konventionellen Gasheizung – eingerechnet der Förderung durch Land und Region. Ein Konzept, das immer mehr andere Städte in der Schweiz für sich entdecken, wie Karl Völlmin, Leiter beim Hochbauamt in Basel bestätigt. Dort wird mit der Wärme aus dem Abwasser neben städtischen Gebäuden auch eine Wohnsiedlung und ein Nahwärmeheizwerk versorgt: „Die Technik ist einfach“, sagt er. „Unsere Erfahrungen damit sind sehr positiv.“

Auch in Deutschland steigt das Interesses an der Nutzung von Abwasser, um Energie und Heizkosten einzusparen – vor allem aufgrund steigender Preise für Gas und Öl. Das Berliner Energieconsultingbüro Ecos erprobt die Technik gemeinsam mit dem Schweizer Beratungsbüro Eam und Ryser Ingenieure und mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Inzwischen seien Pionierprojekte in mehreren deutschen Städten realisiert. „Interessant ist eine solche Abwasserheizung ab einem Wärmeleistungsbedarf von 150 Kilowatt“, erläutert Ecos-Chef Wolfram Stodtmeister. „Das entspricht der Versorgung von rund 50 Wohneinheiten.“

Zudem sollte ein großer Abwasserkanal nicht mehr als 300 Meter entfernt liegen. In ihm werden Wärmetauscher verlegt, die aus dem zwischen zehn und 20 Grad warmem Abwasser Energie gewinnen. „Mit der Technik wollen wir kommunale und städtische Investoren sowie die Wohnungswirtschaft ansprechen“, sagt Stodtmeister. Vor allem für diese Gruppe sind Förderinstrumente, etwa bei der Bank der Kreditanstalt für Wiederaufbau, vorgesehen.

Herzstück der Technik ist eine leistungsfähige, elektrisch betriebene Wärmepumpe, welche die Energie für die Beheizung und Kühlung größerer Gebäude nutzbar macht. Sie nimmt die Wärmeenergie auf, verdichtet sie und gibt sie an einen Energiespeicher weiter, der an ein Nahwärmenetz angeschlossen ist. Das Prinzip nutzt geringe Temperaturdifferenzen. Dabei werden dem Abwasser meist drei bis vier Grad Wärme entzogen. Um die Effizienz und Versorgungssicherheit der Technik zu steigern, lässt sich die Wärmepumpe auch mit einem Blockheizkraftwerk koppeln, das Wärme und Strom für den Betrieb der Pumpe liefert.

Einige deutsche Kommunen, etwa Leverkusen, Singen und Waiblingen, nutzen die Energie aus der Kanalisation bereits. Waiblingen speist sie in ihr Fernwärmenetz ein und deckt damit die Wärmegrundlast von öffentlichen Gebäuden wie Rathaus, Kreiskrankenhaus und Hallenbad. „Das funktioniert sicher“, sagt Oberbürgermeister Werner Schmidt-Hieber.

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