Wagenflotte des G8-Gipfels fährt mit dem Biokraftstoff
Kanadier gewinnen Treibstoff aus Stroh

Beim G8-Gipfel im schottischen Gleneagles in der kommenden Woche werden die Wagen der Staats- und Regierungschefs mit einem Treibstoff fahren, dem Ethanol aus Zellulose beigemischt ist.

HB OTTAWA. Hersteller des aus Stroh gewonnenen Ethanols ist die kanadische Iogen Corporation. Wie das Unternehmen in Ottawa mitteilte, soll die Flotte der Jaguar und Range Rover in Gleneagles mit dem schadstoffärmeren Biokraftstoff fahren, der den Ausstoß an Treibhausgasen senke. „Wir wollen demonstrieren, dass die Zeit für die kommerzielle Nutzung von Zellulose-Ethanol reif ist“, sagte Iogen-Vizepräsident Jeff Passmore.

Im Gegensatz zu herkömmlichem Ethanol wird Iogens Ethanol nicht aus Getreide, Zuckerrüben oder Zuckerrohr, sondern aus Stroh und somit aus Abfallstoffen der Landwirtschaft gewonnen. Enzyme spalten das Stroh in eine zuckerhaltige Flüssigkeit und ein festes Abfallprodukt auf. Die Flüssigkeit wird zu Alkohol destilliert, der Abfall – die Ligno-Zellulose – kann als Brennstoff verwendet werden.

Zellulose-Ethanol hat in der Gesamtbilanz der Schadstoffemissionen – also der bei Herstellung und Verbrennung erzeugten Schadstoffe – einen um 90 Prozent niedrigeren Treibhausgasausstoß als herkömmliches Benzin, sagt Passmore, der sich auf Studien staatlicher und privater Forschungsinstitute stützt. Die günstigere Schadstoffbilanz gegenüber anderen Biotreibstoffen beruht unter anderem darauf, dass für die Produktion nicht eigens Energie etwa in Form von Dünger eingesetzt werden muss.

Ethanol kann dem Benzin direkt oder nach einer weiteren Umwandlung zu ETBE (Ethyltertialbuthylether) beigemischt werden. Nach EU-Recht dürfen in Europa derzeit maximal fünf Prozent Ethanol zugefügt werden. In Nordamerika können alle Fahrzeuge mit einem Gemisch mit bis zu zehn Prozent Ethanol fahren.

Iogen ist nach eigenen Angaben das erste Unternehmen, das Zellulose für kommerzielle Verwendung anbieten kann. In die Forschung und den Aufbau der Demonstrationsanlage in Ottawa investierten Iogen und ihre Partner 110 Millionen Kanada-Dollar. Beteiligt sind die Royal Dutch/Shell-Gruppe mit 46 Millionen Dollar, Petro-Canada mit 24,7 Millionen und Kanadas Regierung mit 21,1 Millionen Dollar. Gegenwärtig sucht das Unternehmen nach einem Standort für die erste großindustrielle Anlage. Als mögliche Standortländer sind neben Kanada die USA und Deutschland im Gespräch.

„Die Beimischung von Zellulose-Ethanol zu handelsüblichem Benzin ist der kostengünstigste Weg für die Länder, die Klimaschutzziele im Straßenverkehr zu erreichen“, sagt Passmore. Im Schnitt liege der Kohlendioxid-Ausstoß bei Fahrzeugen bei 160 Gramm pro Kilometer. Ziel in Europa sei es, bis 2010 auf 140 Gramm CO2 pro Kilometer zu kommen. Deutschland habe gar das Ziel von 120 Gramm ausgegeben. Mit einer fünfprozentigen Beimischung von Ethanol werde der Ausstoß bereits um fünf Gramm gesenkt, sagt Passmore.

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