Wartungsmission im All
„Hubble einfach mal in den Arm nehmen“

Das Weltraumteleskop Hubble erhält in dieser Woche zum letzten Mal Besuch von der Erde: Die Wartungsmission, zu der am heutigen Montag sieben Astronauten an Bord der Raumfähre „Atlantis“ abheben, soll die Lebensdauer des Weltraumveteranen um ein weiteres Jahrzehnt verlängern. Eine riskante Mission, für die die Nasa einen einzigartigen Notfallplan entwickelt hat.
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HB CAPE CANAVERAL. Es ist der letzte Besuch für „Hubble“: Am heutigen Montag schickt die Nasa noch einmal eine Raumfähre zu dem knapp 600 Kilometer entfernten Weltraumteleskop, das der Welt einzigartige Einblicke in die Weiten des Weltalls bescherte. Doch die Risiken dieser letzten Wartungsmission sind größer als je zuvor.

Sieben Astronauten - sechs Männer und eine Frau – sollen um 20:00 Uhr MESZ an Bord der US-Raumfähre „Atlantis“ abheben. Im Gepäck haben die Weltraum-Mechaniker neue wissenschaftliche Instrumente, Ersatzteile für beschädigte Kameras und frische Batterien, die „Hubble“ weitere zehn Jahre laufen lassen sollen. In jedem Fall dürfte diese letzte auch die anspruchsvollste Wartung in der 19-jährigen Geschichte des Orbit-Observatoriums, das in den vergangenen Jahren immer häufiger mit Pannen für Schlagzeilen sorgte.

Gleich reihenweise fielen in der jüngeren Vergangenheit Instrumente des Weltraumteleskops aus. Selbst die Hauptkamera, mit denen die spektakulären Bilder von kollidierenden Galaxien und Gasnebeln aufgenommen wurden, ist seit 2006 ist nur noch beschränkt einsatzfähig. Außerdem wurden Batterien schwach, Sensoren gaben ihren Geist auf.

Bei ihren Außeneinsätzen sollen die Astronauten nun versuchen, die ausgefallenen Instrumente von „Hubble“ zu reparieren - Geräte, die eigentlich nie dafür bestimmt waren, im All runderneuert zu werden. Bisher waren defekte Instrumente einfach ausgetauscht worden.

Wenn alles glatt verläuft, soll „Hubble“ mit dem Roboterarm von „Atlantis“ zunächst einmal eingefangen werden. Was die Astronauten dann bei ihren fünf geplanten Ausstiegen vor sich haben, ist kompliziert und erfordert Fingerspitzengefühl. „Es handelt sich eher um eine Gehirnoperation als um einen Einsatz auf dem Bau“, heißt es bei der Nasa.

Shuttle-Kapitän Scott Altmann (49) und sein Team haben 116 neue Werkzeuge dabei, die eigens für diese Mission konstruiert wurden. Zwei der Mechaniker kennen „Hubble“ schon von früheren Missionen und wurden gerade deshalb für diese knifflige Aufgabe ausgesucht. „,Hubble' muss man einfach mal in den Arm nehmen“, schmunzelt Chef-Mechaniker John Grunsfeld, der zum dritten Mal zu dem Teleskop aufbricht.

Als handwerklich schwierigste Aufgabe gilt die Reparatur des „Space Telescope Imaging Spectrographs“, der seit 2004 nicht mehr funktioniert. Die Astronauten müssen mit rund 100 kleinen Schrauben hantieren. Gehen diese verloren, könnten sie in das Teleskop fliegen und Schaden anrichten. Eine echte Geschicklichkeitsaufgabe, vor allem in der Schwerelosigkeit.

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