Was Darwin einbringt
Geldmaschine Evolution

Vor 150 Jahren erschien Charles Darwins Standardwerk „On the Origin of Species“ - die Geburtsstunde der Evolutionstheorie. Über die Theorie des Gelehrten aus Kent lässt sich nicht nur trefflich streiten, sie ernährt auch viele ihrer Anhänger ebenso wie deren Kritiker. Ein Blick auf die „Darwin Industry“.
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BERLIN. Heute vor genau 150 Jahren war Charles Robert Darwin mit Familie im Urlaub in der keinen Stadt Ilkley. Er kurte dort für zwei Monate. Es ging ihm nicht gut - geschwollenes Bein, verschwollene Augen, Ausschlag. Der Stress der vergangenen anderthalb Jahre hatte sechs Wochen zuvor, am 1. Oktober, als Darwin die Korrekturen seines Manuskripts an den Verleger gesandt hatte, begonnen Tribut zu fordern. Am 24. November litt er nun zusätzlich auch noch unter dem frühen Wintereinbruch, einer Zeit „gefrorenen Elends“, wie er schrieb. Ob ihm zum Feiern zumute war, an dem Tag, als sein Buch „On the Origin of Species“ erschien?

Als am Morgen des 24. November 1859 die Buchhandlungen des Königreiches öffneten, konnte niemand ahnen, dass an diesem Tag eines der einflussreichsten Bücher aller Zeiten auf den Markt kommen würde. In einer Auflage von 1250 Exemplaren hatte der Verlag John Murray es gedruckt, es kostete 15 Shilling. Wer es seinerzeit erworben, ins Regal gestellt und vergessen hat, dessen Nachfahren können es heute für 35 000 Pfund verkaufen. So viel brachte jedenfalls eine Erstausgabe des Origin unter dem Hammer des Auktionshauses Keys of Aylsham in diesem Jahr. Ein handsigniertes Darwin-Foto erzielte bei derselben Versteigerung 22 000 Pfund.

35 000 Pfund für die Erstausgabe

Darwins Buch hat nicht nur die Welt verändert, es hat auch, direkt oder indirekt, einigen Leuten viel Geld gebracht und sorgt heute mehr denn je für ganze Familien, für Forscher- und Sachbuchautoren-Karrieren. Sich auf die Suche nach den konkreten publizistischen und ökonomischen Konsequenzen des Buches, dass der Gelehrte aus Kent von Mitte 1858 bis Ende 1859 in einem Kraftakt schrieb – getrieben von dem Schock, dass ein gewisser Alfred Russel Wallace dieselbe Theorie hatte wie er – ist allerdings alles andere als einfach.

Wer das Glück hat, zuhause im Regal eine Erstausgabe des „Origin“ zu finden, kann – so er sich davon trennen will – erst einmal ein paar Monate die Miete bezahlen. Doch bei jenen 35 000 Pfund hört es schon fast auf mit verlässlichen Zahlen. Wieviel Geld etwa Verlage seit 1859 mit den weiteren Auflagen des Buches, mit seinen Übersetzungen in Sprachen von Deutsch über Blindenschrift bis Yiddisch umgesetzt haben, ist heute wohl unmöglich herauszufinden. Das sagt zumindest John van Wyhe, Direktor des Projektes The Complete Works of Charles Darwin online: „Ich glaube nicht, dass das irgendwer weiß“.

Auch eine Gesamtverkaufszahl des Buches weltweit, von den ersten 1250 Stück bis heute, kennt offenbar niemand. Allein im Darwin-Jahr 2009 dürften es weltweit wieder mehrere 100 000 gewesen sein, von der billigen Paperback-Ausgabe über faksimilierte Erstausgaben bis hin zu dicken Büchern, die neben dem „Origin“ noch andere Werke Darwins enthielten. Eines davon etwa ist das von dem Ameisenforscher und Evolutionsbiologen Edward O. Wilson herausgegebene „From so Simple a Beginning“. Es ist, auf dünnstem Papier gedruckt, immer noch sieben Zentimeter dick, und enthält neben dem „Origin“ auch „The Voyage of the Beagle, „The Descent of Man“ und „The Expression of the Emotions in Man and Animals.“

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