Wasserträger aus Frankfurt
Feuchte Träume dank Geohumus

Wulf Bentlage und Holger Behrens wollen dabei helfen, weltweit im großen Stil Wasser zu sparen. Ihr Beitrag: Ein Granulat, dass Wasser im Boden speichert. Sogar Wüsten könnten die beiden mit ihrem Geohumus begrünen – wenn die Scheiche wollen. Um die zu überzeugen hat Behrens sogar Dreck gegessen.

Wenn Wulf Bentlage den Blick durch sein stattliches Büro in Frankfurt-Fechenheim schweifen lässt, dann blickt er auf Designer-Interieur wie aus dem Einrichtungsmagazin. Wuchtige Holzskulpturen in Mannesgröße sind Ton in Ton abgestimmt mit kniehohen BuddhaFiguren. Der Vormieter habe all das für wenig Geld dagelassen, winkt Bentlage ab. Der 45-Jährige ist kein Skulpturenhändler oder Einrichtungsberater. Ein kleiner, schnöder Plastikeimer unter dem Schreibtisch weist darauf hin, was der Unternehmer an den Mann bringen will. „Geohumus“ steht auf der weiß-grünen Tonne, die Bentlage als Papierkorb dient.

Geohumus – das sind Krümel, ein Granulat. Um zu beweisen, was es kann, gibt Bentlage einen Fingerbreit davon in ein Glas und schüttet Wasser darauf. Kurz darauf hat das Granulat das Wasser aufgesogen und nimmt nun in schlammbrauner Schönheit drei Viertel des Glases ein. „Geohumus hat zwei Gesichter. Es ist ein tolles Produkt, aber es lässt sich nur mit sehr viel Aufwand vermarkten“, sagt Bentlage.

Der Trick im Wasserglas war nur ein Vorgeschmack: Gemeinsam mit seinem 36-jährigen Partner Holger Behrens will Bentlage dabei helfen, Wasser zu sparen – überall auf der Welt, im großen Stil. „Wir können einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Wüsten sich nicht weiter ausdehnen“, sagt Bentlage ohne Pathos. Schließlich kann Geohumus das 80-fache seines Eigengewichts an Wasser aufnehmen, speichern und wieder abgeben. Reichert man Böden damit an, gedeihen Blumen und Pflanzen prächtiger – theoretisch sogar in der Wüste. Dort sickert das wenige Wasser bislang einfach durch den Sand.

Tests in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Ägypten haben die Wirksamkeit bewiesen. Auf einer Mangoplantage half Geohumus 40 Prozent Wasser einzusparen. Die Bäume wuchsen zudem üppiger und trugen mehr Früchte. Die Crux: Kaum jemand will dafür bezahlen, zumindest jetzt noch nicht.

Bentlage weiß, dass er bei seiner Bodenoffensive vor allem eines mitbringen muss: Geduld. „Ein Geschäftsabschluss mit einer Regierungsorganisation in Saudi Arabien kann bis zu zehn Jahre dauern“, sagt er abgeklärt. Schon seit gut zwei Jahren klappern die beiden Unternehmer die Länder des Nahen Ostens ab. Bentlage zeigt einen faustdicken Stapel arabischer Visitenkarten: „Wir haben viele einflussreiche Leute kennengelernt, darunter eine ganze Reihe Milliardäre und Prinzen.“

Ein Türöffner war der Gewinn des Deutschen Gründerpreises im Jahr 2006. Der eloquente Bentlage durfte sein Granulat beim G8-Gipfel in Heiligendamm vorstellen. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch führte die beiden Geschäftsführer beim saudischen König ein. Eine Anlage zur Produktion von 100 000 Tonnen Geohumus wollten die Scheiche von ihnen lizenzieren. „Um ihnen zu beweisen, dass Geohumus umweltverträglich ist, mussten wir ein paar Krümel davon essen“, erzählt Behrens amüsiert. Gebracht hat all das bisher nichts – das Geschäft verlief im Sande.

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