Weblogs als Forschungsobjekt
Öffentlicher Resonanzraum für Nachrichten

Weblogs und Podcasts sind Ausdrucksmittel des neuen "Bürgerjournalismus", vor dem die traditionellen Medien Angst haben. Erste Forschungsergebnisse aus Deutschland zeigen allerdings, dass die Befürchtungen der Verlagshäuser und Sender größtenteils unbegründet sind.

DÜSSELDORF. Früher fürchteten die Zeitungen das Radio, weil es die Nachrichten schneller übermitteln konnte. Die Radiosender wiederum fürchteten das Fernsehen, weil es zusätzlich Bilder liefern konnte. Heute eint die traditionellen Medien die Furcht vor den Verbrauchern selbst, die mit eigenen, im Internet veröffentlichten Artikeln, Bildern, Audiobeiträgen und Filmsequenzen ihr Nachrichtenmonopol ins Wanken bringen.

Am deutlichsten zeigt sich der Wandel in der Informationsvermittlung an der wachsenden Zahl persönlicher Internet-Tagebücher, der Weblogs, von denen es in Deutschland zwischen 150 000 und 300 000 gibt. Sie enthalten Nachrichten, Erfahrungsberichte oder Fachbeiträge, die jeder kommentieren kann.

Doch der Sargnagel für die professionellen Medien im Internet, wie einige meinen, ist der so genannte Bürgerjournalismus nicht. "Trotz der Zunahme von nutzerbasierten Inhalten werden die Medien auch in Zukunft erste Anlaufstelle für Informationen sein", sagt Martin Welker von der Universität Leipzig. Er gehört zu den wenigen Medienwissenschaftlern, die die Auswirkungen der neuen Internetangebote auf die traditionellen Medien untersuchen.

Erste Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass traditionelle Medien trotz der vielen privaten Informationsseiten nicht an Bedeutung verlieren. Im Gegenteil: "Weblogs steigern die Verbreitung der Massenmedien", sagt Christoph Neuberger, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Münster. "Weblogs sind ein Resonanzraum, in dem die Nachrichten öffentlich kommentiert werden", schreibt er in dem soeben erschienenen Buch "Weblogs, Podcasting und Videojournalismus" www.zkm.de/muw/telepolis.

Andere Studien belegen seine These. Demnach dominieren in den Blogs die Verweise auf Zeitungsartikel und Onlinemedien, weil die Quellen vertrauenswürdiger eingeschätzt werden. Außerdem sei der Nachrichtenwert in den meisten privaten Blogs gering, sagt Neuberger.

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