Weiße Zwerge: Forscher sucht „Zweite Erde“ bei sterbenden Sternen

Weiße Zwerge
Forscher sucht „Zweite Erde“ bei sterbenden Sternen

Eine "Zweite Erde" muss nicht unbedingt einen Stern umkreisen, der unserer Sonne ähnelt. Auch Planetensysteme um Sterne in der Endphase ihres Lebens könnten Voraussetzungen für erdähnliche Planeten bieten, glaubt ein Astrophysiker. Der Vorteil: Weiße Zwerge laden zur Planetenjagd regelrecht ein.
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DüsseldorfDie Planetenjäger unter den Astrophysikern haben im vergangenen Jahrzehnt bereits hunderte von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gefunden. Ihr großes Ziel, ist die Entdeckung eines Planeten, der unserem Heimatplaneten ähnelt und damit bewohnbar wäre.

Eric Agol, Professor an der Universität Washington, schlägt dazu seinen Kollegen nun in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal Letters" vor, erdähnliche Planeten nicht in erster Linie in Sternensystemen zu suchen, die einen Stern wie unserer Sonne im Zentrum haben. Stattdessen sollten die Planetenjäger Sternensysteme ins Visier nehmen, bei denen die Planeten einen Stern in seiner letzten Lebensphase - einen sogenannten weißen Zwerg - umrunden.

Bei weißen Zwergen handelt es sich um sterbende Sterne, die in ihrer letzten Lebensphase nur noch wenig Wärme und Licht spenden. Sie besitzen meist etwa 60 Prozent der Masse der Sonne, die allerdings auf einer deutlich kleineren Fläche in der Größe der Erde unterkommt. Da sie nur einen Bruchteil der Energie ihres früheren Sternenlebens abgeben, wäre die bewohnbare Zone mit gemäßigtem Klima deutlich dichter an dem Stern als sich die Erde zur Sonne befindet.

"Wenn ein Planet den weißen Zwerg nah genug umrundet, könnte er eine stabile Temperatur aufweisen, um flüssiges Wasser auf der Oberfläche aufzuweisen - falls der Planet überhaupt Wasser hat. Das ist ein wichtiger Faktor für seine Bewohnbarkeit", so Agol.

Ein Planet, der sich so dicht an einem Stern befindet, könnte von der Erde aus leicht beobachtet werden. Dafür würde ein Teleskop mit einem Durchmesser von nur einem Meter ausreichen, führte Agol aus.

Wie auch andere Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, könnte eine solche "Zweite Erde" in dem Moment entdeckt werden, wenn sie den weißen Zwerg zu einem kleinen Teil verdeckt, so dass dessen Leuchtkraft zweitweise vermindert wird. Weil der Planet in der gemäßigten Klimazone im Falle eines weißen Zwergs den Stern in besonders dichtem Abstand umrundete, würde er relativ große Teile des Sterns verdecken - und wäre damit von der Erde aus besonders leicht zu entdecken.

Weiße Zwerge entstehen aus Sternen wie der Sonne. Wenn im Kern des Sterns keine Kernfusion mehr stattfindet, die Wasserstoff in Helium verwandelt, verbrennt der Wasserstoff außerhalb des Kerns. Damit beginnt zunächst die Verwandlung in einen Roten Riesen, der typischerweise durch seine deutlich größere Ausbreitung viele der Planeten des Sternensystems zerstört.

In der Endphase des Sternenlebens ist der Wasserstoff verbrannt, zurück bleibt der sich langsam abkühlende Sternenkern mit einer Oberflächentemperatur von etwa 5.000 Grad Celsius. Dieser spendet allerdings noch rund drei Milliarden Jahre Wärme und Licht.

Stephan Dörner
Stephan Dörner
Handelsblatt Online / Mitarbeiter

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