Weltgrößter Bahn-Hersteller CRRC

Chinas Bahnriese mischt die Branche auf

Die Aufträge kamen bislang vor allem aus den USA, Indien und Kenia. Nun will Chinas Schienenfahrzeug-Hersteller CRRC auch den europäischen Markt erobern – und sorgt damit in der deutschen Bahnindustrie für Nervosität.
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Der chinesische Schienenriese ist im Sommer des vergangenen Jahres aus der Fusion der Staatsunternehmen CSR und CNR hervorgegangen. Quelle: dpa
Zwei Hochgeschwindigkeitszüge von CRRC im Modell

Der chinesische Schienenriese ist im Sommer des vergangenen Jahres aus der Fusion der Staatsunternehmen CSR und CNR hervorgegangen.

(Foto: dpa)

BerlinAn Selbstbewusstsein fehlt es dem Management des weltgrößten Schienenfahrzeug-Herstellers CRRC nicht. „Was auch immer die europäischen Bahnkunden und die Fahrgäste in der Zukunft wünschen – wir können es bieten“, sagt Jilian Yang, der das chinesische Unternehmen in diesem Jahr auf der heute beginnenden Bahnindustrie-Messe Innotrans in Berlin vertritt.

„Wir haben aber nicht nur Europa im Blick, sondern die ganze Welt.“ Geht es nach den Planspielen von CRRC (China Railway Rolling Stock Corporation), werden die meisten Züge der Zukunft chinesisch sein.

Der Schienenriese ist im Sommer des vergangenen Jahres aus der Fusion der Staatsunternehmen CSR und CNR hervorgegangen – ein Konzern, anderthalbmal so groß wie die Bahnsparten der Konkurrenten Alstom, Bombardier und Siemens zusammen. Die Strategie des neuen Monopolisten: Die globalen Märkte gehörig aufmischen.

Das sind die aktuellen Superzüge
China: Fuxing
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Der neue Hochgeschwindigkeitszug Fuxing soll ab September 2017 auf der Strecke Peking - Shanghai eingesetzt werden. Chinas Superzug ist 350 km/h schnell und darf diese Geschwindigkeit jetzt auch wieder fahren, nachdem es über Jahre hinweg ein „Tempolimit“ von 300 km/h auf Chinas Gleisen gab.

China: Fuxing
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Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung war ein schwerer Unfall im Jahr 2011: Beim Zusammenstoß zweier Schnellzüge starben damals Dutzende Menschen.

Deutschland: ICE
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Ende 2017 soll die vierte Generation des ICE in den Regelbetrieb aufgenommen werden, mit besseren Klimaanlagen, größeren Fenster und Stellplätzen für Fahrräder. Kostenloses WLAN in der 2. Klasse wird es bis dahin schon geben – das verspricht jedenfalls die Bahn.

Italien: Alstom Pendolino
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In Italien konkurrieren zwei Anbieter von Schnellzügen um die Kunden. Neben der Staatsbahn Trenitalia gibt es seit 2012 auch die privaten Italo-Züge. Italo bedient mit seinen schnellen und modernen Zügen des französischen Konzerns Alstom weniger Strecken als Trenitalia, setzt aber vor allem auf Komfort und Service. So gibt es in der ersten Klasse Essen am Platz, dazu kommen WLAN und die Möglichkeit eines eigenen Unterhaltungsprogramms. (Foto: pr)

Italien: Frecciarossa 1000
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Trenitalia hat vor kurzem seinen neuen Frecciarossa 1000 präsentiert, der bis zu 400 Stundenkilometer schnell fährt. Die Freccia-Züge setzen eher auf gute Verbindungen, hohe Geschwindigkeit und wenige Haltepunkte. In den Schnellzügen beider Anbieter gilt generell eine Reservierungspflicht. (Foto: dpa)

Spanien: AVE
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In Spanien hebt das staatliche Eisenbahnunternehmen Renfe vor allem die Pünktlichkeit der mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 310 Stundenkilometern fahrenden Schnellzüge hervor. Ab Herbst sollen die Waggons zunächst auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona mit WLAN ausgestattet werden. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE hat im Juli 1,84 Millionen Reisende transportiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt.

Spanien: AVE auf Jungfernfahrt (1992)
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Mit einem Streckennetz von knapp 3150 Kilometern ist das AVE-System im europäischen Highspeed-Sektor führend. In den kommenden Jahren soll das Netz für rund zwölf Milliarden um weitere 1850 Kilometer erweitert werden. Geplant sind außerdem 30 neue Züge im Wert von 2,65 Milliarden Euro.

Während China jahrelang Bahntechnik importiert hat, ist sein eigener Markt heute weitgehend gesättigt. Die Zeichen stehen also auf Export. 2015 erwirtschaftete der Koloss 11 Prozent seines Umsatzes von rund 32 Milliarden Euro im Ausland. Dieser Anteil soll weiter steigen.

Der Plan hat Erfolg: Allein im ersten Halbjahr 2016 konnte CRRC die Aufträge aus Übersee auf knapp zwei Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Für Aufsehen hatte in der Branche zuletzt die Vergabe zweier namhafter Aufträge aus den USA gesorgt. Im März hatte der Betreiber des Nahverkehrsnetzes von Chicago, die Chicago Transport Authority, 846 Wagen bei den Chinesen bestellt.

Bereits im Oktober 2014 waren zuvor 284 Wagen für die U-Bahnen in Boston im Wert von 385 Millionen Euro geordert worden. Große Aufträge kamen im ersten Halbjahr 2016 auch aus Indien und Kenia. Für Bangkoks Hochbahn produziert CRRC 24 neue Züge, der Rivale Siemens 22.

In der deutschen Bahnindustrie hat sich nach der Mega-Fusion gelinde gesagt Nervosität breitgemacht. Einschätzungen zur Zukunft sind dementsprechend vorsichtig formuliert. „Wir sehen trotz des Zusammengehens der beiden chinesischen Anbieter perspektivisch gute Chancen im internationalen Umfeld für unsere Schnellzüge“, erklärt etwa Siemens-Manager Jochen Eickholt. Und weiter: Die Fusion verändere die Wettbewerbssituation „nicht grundlegend“.

Fehlendes Know-how wird eingekauft
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3 Kommentare zu "Weltgrößter Bahn-Hersteller CRRC: Chinas Bahnriese mischt die Branche auf"

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  • Herr Ralf Becker20.09.2016, 14:46 Uhr
    China macht alles richtig. Unsere Deutschen Unternehmen und Investoren lassen sich dagegen über den Tisch ziehen.

    ................

    ÜBER DEN TISCH ZIEHEN...lassen sich alle 500 MILLIONEN EUROPÄER durch billige Erzeugnisse aus CHINA !!!

    Alles kostet nur 1 €uro...doch DIE DADURCH VERURSACHTE MASSEN ARBEITSLOSIGKEIT AUF DEM EUROPÄISCHEN KONTINENT WILL NIEMANDEN ERKENNEN ???

    Die EU IMPORTIERT MEHR AUS CHINA...als dass diese EU dorthin exportiert !!!

    WELTGLOBALISIERUNG IST NUR GESUND...

    WENN ES GENAUSO VIEL IMPORTIERT WIE ES GLEICHZEITIG AUCH IN GLEICHER HÖHE EXPORTIERT !!!

    Die EU importiert und importiert...GLEICHZEITIG IST ABER DIESE " EU " NICHT IN DER LAGE ARBEITSPLÄTZE FÜR PERMANENTE 30 MILLIONEN EU-DAUER-ARBEITSLOSEN ZU FINDEN !!!

    Auch PORTUGAL, SPANIEN oder auch GRIECHENLAND UND SELBST ITALIEN...

    KÖNNEN FABRIKEN AUFSTELLEN DIE BEI SICH...

    ebenso billig für den Bedarf des Europäischen Kontinents Waren herstellen könnten.

    WAS IST BILLIG ?

    An der Kasse etwas aus CHINA billig bezahlen wollen...

    wo man aber in EUROPA aus dem ARBEITSLOSEN-GELD nicht zum bezahlen ausreicht ???

    Und wenn die EU-STAATEN nichts dagegen unternehmen...

    dann ist die zufriedenheit mit dieser EU für 500 MILLIONEN EUROPÄER nicht zu erreichen...

    als auch die Finanzen der EU nicht ausreichend sind um die Permanente Arbeitslosigkeit in Europa auf Dauer zu finanzieren...und dabei zusehen zu müssen...wie ARBEITSLOSIGKEIT IN EUROPA SICH MULTIPLIZIERT ANSTATT WENIGER ZU WERDEN !!!


  • "China wird rechtzeitig über Kurs von Tiangong 1 informieren"
    „Nach unseren Analysen werden die meisten Teile des Raumlabors während des Falls verglühen“, sagte Wu weiter. Es sei unwahrscheinlich, dass herabfallende Teile den Luftverkehr beeinträchtigen oder Schäden auf der Erde anrichteten. Und: China werde rechtzeitig über den Kurs von „Tiangong 1“ informieren.

    .........................

    WENN CHINA...Ihre Technik nur im Griff hätte !!!!!


  • China macht alles richtig. Unsere Deutschen Unternehmen und Investoren lassen sich dagegen über den Tisch ziehen. Alles was hier jahrelang aufgebaut wurde, das wird kopiert und als eigenens Produkt erfolgreich verkauft. Bin mal gespannt wann sich China VW vorknöpft.

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