Forschung + Innovation
Weltpremiere in Hamburg: Herzklappe ohne Operation repariert

Hamburger Ärzte haben weltweit erstmals eine Herzklappe ohne Operation repariert. Mit einem Katheter setzte das Team um Prof. Joachim Schofer vom Herz- und Gefäßzentrum Hamburg einem 62-Jährigen mit Herzschwäche eine Metallspange in die große Herzvene ein.

dpa HAMBURG. Hamburger Ärzte haben weltweit erstmals eine Herzklappe ohne Operation repariert. Mit einem Katheter setzte das Team um Prof. Joachim Schofer vom Herz- und Gefäßzentrum Hamburg einem 62-Jährigen mit Herzschwäche eine Metallspange in die große Herzvene ein.

Dort bewirkt die Spange eine Verkleinerung des so genannten Mitralklappenrings. So sei die normale Schließfunktion der undichten Klappe wiederhergestellt worden, sagte Schofer am Donnerstag. Dem Patienten Uwe Kühnbaum geht es eine Woche nach der Behandlung (12.7.) nach eigenen Worten gut: „Ich bekomme viel besser Luft.“

Die Behandlungsmethode soll jetzt im Rahmen einer Studie zunächst an 30 Patienten in Europa und weiteren 30 in den USA erprobt werden, sagte Schofer. In zwei Jahren werde man sehen, ob die erhoffte Langzeitwirkung eintrete. Einer klassischen Herzklappenoperation stehe aber bei einer erneuten Verschlechterung der Herzleistung nichts im Wege. Mit der neuen Technik können nach Schätzungen der Ärzte etwa zwei Drittel der Kosten im Vergleich zur klassischen Operation gespart werden.

Der ärztliche Leiter des Universitären Herzzentrums Hamburg, Prof. Hermann Reichenspurner, hatte den Patienten nach einem Herzinfakt im Jahr 2001 und einer Bypassoperation jetzt mit Herzschwäche und dem Klappendefekt als Risikofall eingestuft und für die neue, schonende Methode ausgewählt. Die Behandlung wurde unter Vollnarkose vorgenommen, obwohl dies medizinisch nicht nötig wäre. Damit sollten dem 62-Jährigen Unannehmlichkeiten erspart werden, denn die Lage der Spange muss über einen Schlauch in der Speiseröhre kontrolliert werden.

Weltweit leiden nach Angaben des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) rund 18 Millionen Menschen an einer Herzmuskelschwäche mit Herzvergrößerung. Jährlich erkranken etwa 1,9 Millionen Menschen neu, zumeist nach Infarkten. Wenn die Mitralklappe wegen der Vergrößerung der linken Herzkammer nicht mehr richtig schließt, fließt bei jeder Kontraktion ein Teil des Blutes zurück in den Vorhof und die Lunge. Das führt zu Atemnot und verringert die Lebenserwartung.

Die klassische Methode der Mitralklappenreparatur ist eine Operation unter Einsatz der Herz-Lungenmaschine, bei der der Brustkorb geöffnet wird, erläuterte Reichenspurner. Die Methode sei sehr sicher. Im UKE habe es in den vergangenen drei Jahren keine tödlichen Komplikationen dabei gegeben.

Im Februar war einem Patienten in Siegburg erstmals in Deutschland mit der Kathetertechnik eine neue Aortenklappe ins Herz eingesetzt worden, die dafür sorgt, dass kein Blut aus der Hauptschlagader ins Herz zurückfließt. Dazu wurde der winzige Schlauch durch Schlagadern zum Ziel dirigiert. Bei der Mitralklappenreparatur ist das Verfahren einfacher, weil die Ärzte den Weg vom Hals aus über Venen ins Herz nehmen können.

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