Weltraum-Mission D1
„Es hätte genauso uns treffen können“

Spaceshuttle unter deutschem Kommando: Vor 30 Jahren startete die erste von Deutschen geleitete Weltraummission. Erst später stellte sich heraus, dass die Astronauten der D1-Mission nur knapp einer Katastrophe entgingen.

Oberpfaffenhofen/StuttgartOberpfaffenhofen statt Houston: Als vor 30 Jahren, am 30. Oktober 1985, die US-Raumfähre Challenger in die Weiten des Weltalls startet, haben erstmals Deutsche das Kommando über so eine Mission. Die Anweisungen für die acht Astronauten kommen nicht aus Texas, sondern aus dem Kontrollzentrum westlich von München. Doch beinahe hätte die Mission ein katastrophales Ende gefunden.

Beim nächsten Abflug, keine drei Monate später, explodierte die Challenger 73 Sekunden nach dem Start. Sieben Menschen starben im Feuerball am Himmel. „Es hätte genauso uns treffen können“, sagt Ernst Messerschmid (70) aus Reutlingen, der als deutscher Astronaut mit der D1-Mission ins All fliegt. Wie sich später herausstellte, waren auch beim deutschen Flug jene Dichtungsringe teils durchgeschmort, die als Auslöser der Challenger-Katastrophe ausgemacht wurden.

Etwas Angst sei schon dabei, bei so einem Start, erzählt Messerschmid mit Blick auf den Abflug von Cape Canaveral in Florida. „95 Prozent um einen herum ist hochexplosiver Treibstoff.“ Letztlich habe man als Astronaut aber generell jede Menge Vertrauen in Technik. Außerdem sei für Angst nicht wirklich Zeit gewesen, schließlich galt es, sich schon beim Aufstieg auf die ersten von 80 geplanten Forschungsversuchen zu konzentrieren.

Wie beeinflusst die Schwerelosigkeit den Körper, wollen Mediziner wissen. Lassen sich Kristalle für Halbleiter im All besser herstellen als auf der Erde? Und Kommunikationstechniker forschten an Atomuhren, die zur Grundlage für die GPS-Technik und die Navigation wurden.

Kopf des Experimentierbetriebs im Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen ist Ulf Merbold (74), der zwei Jahre zuvor mit der Nasa als erster Westdeutscher ins All geflogen war. „Wir waren völlig euphorisch“, erinnert sich Merbold später.

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Die erhoffte Initialzündung bleibt aus

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