Weltraum-Veteran Michael Collins
Der Astronaut, den Nixon vergaß

Die Namen Neil Armstrong und Buzz Aldrin dürfte fast jeder schon einmal gehört haben – aber Michael Collins? Auch er war bei der ersten Apollo-Mondlandung 1969 dabei, allerdings in der undankbarsten Rolle.

BerlinEs gab Zeiten, da war Michael Collins buchstäblich der einsamste Mensch der Welt. 15 Stunden seines Lebens verbrachte er allein an einem Ort, an dem er der Erde völlig entrückt war: auf der Rückseite des Mondes.

Am 16. Juli 1969 startete Collins mit einer Saturn-V-Rakete ins All. Mit an Bord zwei Astronauten, deren Namen fast jeder schon einmal gehört haben dürfte: Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin, die beiden ersten Menschen auf dem Mond.

Collins hatte die undankbarste Aufgabe in diesem Trio: Er war der Mann, der an Bord bleiben musste. Während seine Kollegen in der Landefähre „Eagle“ zur Mondoberfläche abstiegen, flog Collins im Kommandomodul Warteschleifen. Als Armstrong mit dem legendären Satz „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“ den Mond betrat, befand sich Collins gerade im Funkloch auf der Rückseite des Erdtrabanten.

Einsam habe er sich dabei aber nicht gefühlt, beteuerte der Astronaut, der am Samstag (31. Oktober) 85 Jahre alt wird, einmal in einem Interview der US-Raumfahrtbehörde Nasa. „Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert. Die Unternehmung war für drei Männer angelegt und ich sehe mich als genauso notwendig an wie die beiden anderen.“

Manche Zeitgenossen empfanden das offenbar anders, wie jene Episode belegt, der Collins seinen Ruf als „vergessener Astronaut“ verdankt: US-Präsident Richard Nixon ließ es sich nicht nehmen, der Apollo-Landecrew noch während ihres Mondaufenthalts persönlich per Funkbotschaft zu gratulieren. Der einsame Pilot im Mutterschiff dagegen wartete vergeblich auf einen Gruß aus dem Weißen Haus – Nixon hatte schlicht vergessen, dass da noch ein dritter Astronaut durchs All schwebte.

Lieber zum Mars als zum Mond

Collins hat diese Zurücksetzung erstaunlich leicht genommen. Zumindest nach außen hat der Astronaut auch später nie zu erkennen gegeben, dass er irgendwann einmal Probleme mit seiner Rolle als „fliegender Zuschauer“ der Mondlandung gehabt hätte. Vielleicht war es ja die Aussicht, im Falle eines Scheiterns der Mondlandemission als einziger zur Erde zurückzukehren, die Collins seine Außenseiterrolle so gleichmütig ertragen ließ.

Vielleicht war es aber auch die Gewissheit, auch ohne Apollo 11 in den Geschichtsbüchern der Raumfahrt prominent positioniert zu sein. Im Rahmen der Gemini-Missionen, mit denen die Nasa das Apollo-Programm vorbereitete, flog Collins schon 1966 ins Weltall – und fing dabei als erster Astronaut überhaupt auf einem Weltraumspaziergang einen reparaturbedürftigen Satelliten ein.

Geboren wurde Collins 1930 in Italien als Sohn eines US-Militärattachés. Seinem Highschool-Abschluss in den USA folgte die Aufnahme in die Militärakademie und Kader-Schmiede „West Point“, wo er sich zum Kampfflieger und Testpiloten ausbilden ließ. 1963 schaffte es Collins in die Astronautenauswahl der Nasa.

Sein Lieblingshimmelskörper sei eigentlich nie der Mond, sondern immer der Mars gewesen, sagte Collins einmal. „Der Mond ist für einen Himmelskörper eigentlich kein besonders interessanter Ort, aber der Mars schon.“ Er hoffe, dass bald Menschen darauf landen könnten.

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