Weltraumbahnhof Wostotschny

Raketenstart-Premiere glückt im zweiten Anlauf

Erstmals ist von Russlands neuem Weltraumbahnhof Wostotschny eine Rakete ins All gestartet. Ursprünglich sollte die Sojus mit drei Satelliten an Bord schon Mittwoch abheben, ein defektes Ventil verhinderte dies aber.

Historische Bilder: Erster Start von neuem Weltraumbahnhof

WostotschnyDer eigentlich für Mittwoch geplante erste Start einer Rakete vom neuen russischen Weltraumbahnhof Wostotschny ist im zweiten Anlauf geglückt. Die Sojus-Rakete sei am Donnerstag um 11.01 Uhr Ortszeit (04.01 Uhr MESZ) erfolgreich gezündet worden, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos mit. Die drei Satelliten seien erfolgreich in der Erdumlaufbahn platziert worden. Am Vortag war der Raketenstart, dem Staatspräsident Wladimir Putin beiwohnte, in letzter Minute automatisch abgebrochen worden.

Zu Ehren des russischen Raumfahrtpioniers Juri Gagarin hatten die Hersteller der Sojus die Rakete mit einem riesigen Konterfei des ersten Menschen im All verziert. Das Porträt des Kosmonauten, der vor 55 Jahren - am 12. April 1961 - gestartet war, klebte als schemenhaftes blau-weißes Logo auf der Außenwand der Rakete.

Das Kosmodrom Wostotschny im Fernen Osten Russlands soll die Abhängigkeit der russischen Raumfahrt von der früheren Sowjetrepublik Kasachstan verringern. Vom kasachischen Baikonur aus starten bislang die Sojus-Raketen mit Nachschub oder Raumfahrern an Bord zur Internationalen Raumstation (ISS). Russland muss eine hohe Miete an Kasachstan zahlen, um den Weltraumbahnhof nutzen zu dürfen.

Dies soll auch noch bis mindestens 2023 so weitergehen, sagte der für Raumfahrt zuständige Minister Dmitri Rogosin kürzlich. Für dieses Jahr war in Wostotschny, 9000 Kilometer östlich von Moskau, nur der Start vom Donnerstag geplant. Das Kosmodrom war die größte Baustelle Russlands, in deren Zusammenhang es massive Korruptionsvorwürfe gab. Insgesamt soll der Bau umgerechnet bis zu 5,3 Milliarden Euro gekostet haben.

Die Inbetriebnahme von Wostotschny gilt nicht nur für die russische Raumfahrt als Meilenstein. Künftig sollen von dort auch Astronauten der US-Raumfahrtbehörde Nasa und der Europäischen Raumfahrtagentur Esa starten. An Wostotschny hatte Russland gut sechs Jahre lang gebaut. Es ist der erste zivile Weltraumbahnhof auf russischem Territorium.

Weltraumbahnhof Wostotschny
Weltraumbahnhof Wostotschny
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Der Stolz der russischen Ingenieure ist 52 Meter hoch: ein mobiler Versorgungsturm auf Schienen für den Abschuss der ersten Rakete von Russlands neuem Kosmodrom Wostotschny. Wie ein gewaltiger Schrank soll der Gerüstturm künftig vor Starts um die Raketen geschoben werden. Bei Temperaturen zwischen minus 50 Grad Celsius und 40 Grad plus im Osten Sibiriens könnten die Spezialisten so geschützt arbeiten.

Rakete Sojus-2.1a
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Die Bewährungsprobe für den neuen Weltraumbahnhof steht an diesem Mittwoch (27. April) an. Präsident Wladimir Putin will mit dem ersten Start von Wostotschny den Beginn einer neuen Ära in der russischen Raumfahrt einläuten. Die Rakete vom Typ Sojus-2.1a mit drei Satelliten an Bord soll um 4.01 Uhr MESZ abheben.

Modell des neuen Weltraumbahnhofs
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Wostotschny im Gebiet Amur – rund 8000 Kilometer östlich des Machtzentrums Moskau – wird Russlands neues Fenster zu den Sternen. Hier will die stolze Raumfahrtnation bis 2030 ihren ersten Kosmonauten zum Mond schicken, ein Flug zum Mars soll folgen. (Foto: Wikipedia/Vitaly Kuzmin/CC BY-SA 3.0)

April 2013: Präsident Putin besucht die Baustelle
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Für den Ausbau eines früheren Militärgeländes haben Tausende Arbeiter eine 700 Quadratkilometer große Schneise - eine Fläche etwa so groß wie Hamburg - in die Taiga geschlagen. Schnellstraßen, Eisenbahn und Seehäfen in der Nähe machen den Standort attraktiv. Und die russische Führung erhofft sich vom neuen Kosmodrom weitere Impulse für die Entwicklung der Region sowie neue Arbeitsplätze.

Baupfusch, Korruption und nicht gezahlte Löhne
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Ganz ungetrübt ist das Bild des Prestigeprojekts allerdings nicht. Baupfusch und Streit über nicht gezahlte Löhne haben den ursprünglich für Dezember 2015 geplanten Start verzögert. Millionen Euro versickerten, mehrere Funktionäre sitzen wegen Korruptionsverdacht im Gefängnis. Der Agentur Tass zufolge klagen inzwischen mehr als 1100 Arbeiter über ausstehende Gehälter in Gesamthöhe von umgerechnet rund 1,7 Millionen Euro.

Kritik vom Präsidenten
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Die Zustände auf der Baustelle sorgten auch bei Wladimir Putin für Ärger. „So mit staatlichem Geld umzugehen, ist absolut unzulässig“, sagte der Präsident im vergangenen Oktober, als die Verantwortlichen vor Ort die Verschiebung des ersten Starts verkünden mussten.

Roskosmos-Direktor Igor Komarow
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Allen Problemen zum Trotz ist Russlands Raumfahrtelite aber vom Erfolg des Milliardenprojekts Weltraumbahnhof überzeugt. „Wostotschny ist eindeutig das beste (Kosmodrom)“, sagt Roskosmos-Direktor Komarow. In vielen Punkten setze die hochmoderne Raketenbasis weltweit Maßstäbe, sei es bei der Automatisierung oder in Technologiefragen.

  • afp
  • dpa
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