Weltraumexperiment beendet
Daten aus verglühter Raumfähre gesichert

Fünf Jahre nach dem Absturz der US-Raumfähre Columbia haben Spezialisten Daten von einer schwer beschädigten Festplatte des Shuttles gesichert. Mit den Informationen gelang es Forschern jetzt, ein Experiment zu beenden, das seinerzeit im All begonnen wurde.

ap BOSTON/FRANKFURT. Mehr als fünf Jahre ist es her, dass die US-Raumfähre „Columbia“ beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht ist. Damals verloren nicht nur die sieben Astronauten ihr Leben. Es gingen auch Daten von wissenschaftlichen Experimenten verloren, die in der Schwerelosigkeit des Alls gemacht wurden. In einem Fall gelang es, die Daten wiederherzustellen und auszuwerten. Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der April-Ausgabe der Fachzeitschrift „Physical Review E“ veröffentlicht.

Die Daten waren auf einer 340-MB-Festplatte gespeichert, die wie viele andere Trümmerstücke der „Columbia“ damals in Texas gefunden wurde. Sechs Monate nach dem Unglück ließ die Nasa sie zu den Spezialisten der Datenrettungsfirma Kroll Ontrack bringen.

Grund zum Optimismus gab es nicht. Viele Teile waren verschmort. „Als wir es bekamen, waren es zwei Teile Metall, die zusammenklebten“, sagte Jon Edwards von Kroll Ontrack. „Wir konnten nicht einmal sagen, dass es eine Festplatte war. Es war verbrannt und die Ecken waren geschmolzen. Es sah auf den ersten Blick sehr schlimm aus. Aber wir versuchen es immer.“

Der Datenkern der Festplatte, die sich drehenden Magnetscheiben, auf denen die Daten gespeichert werden, war aber nicht verformt. Edwards reinigte die Scheiben in einer chemischen Lösung, baute sie in ein neu gebautes Laufwerk ein - und fand darauf 99 Prozent der Informationen der Festplatte.

Dabei kam Edwards mehrere glückliche Umstände zu Hilfe. Die Festplatte war nur halbvoll. Beschädigt wurde der Teil, auf dem keine Daten waren. Dies war auch dem Umstand zu verdanken, dass die Daten nicht über die ganze Festplatte verteilt gespeichert wurden.

Bei zwei weiteren Festplatten der „Columbia“ hatte Edwards keinen Erfolg. Durch die glühende Hitze beim Eintritt in die Erdatmosphäre hatte ihr Metall die Eigenschaft verloren, die magnetische Ladung zu halten, mit der die Daten gespeichert werden.

Bei der Mission der „Columbia“ waren viele Daten von Experimenten schon während der Forschungsarbeiten im All zur Erde gesendet worden. Bei dem Experiment, dessen Daten auf der Festplatte gefunden wurden, waren das immerhin 85 Prozent. Um das Experiment über die Eigenschaften von flüssigem Xenon nun abschließen und auswerten zu können, waren aber alle Daten erforderlich. Sie konnten nun analysiert werden. Nach der Veröffentlichung durch die Forscher ging auch Kroll Ontrack mit der Geschichte der Rettung der Daten an die Öffentlichkeit.

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