Weltraumforschung
Weltgrößtes Teleskop startet Galaxien-Suche

Unter Astronomen hat ein Wettrüsten auf der Suche nach dem Ursprung unseres Universums begonnen. Das derzeit größte Spiegelteleskop der Welt wurde jetzt auf der Kanareninsel La Palma in Betrieb genommen. Doch Wissenschaftler tüfteln bereits an noch leistungsstärkeren Instrumenten für den Blick ins All.
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HB SANTA CRUZ/HONOLULU. Zwei Jahre wurde das Teleskop getestet, bevor es offiziell den Betrieb aufgenommen hat. „Heute ist ein großer Tag für die Forschung in Spanien“, sagte Wissenschaftsministerin Cristina Garmendia bei der feierlichen Zeremonie, an der auch König Juan Carlos und Königin Sofía teilnahmen. Die Grantecan genannte Anlage sei das größte wissenschaftliche Projekt, das bislang in Spanien umgesetzt worden sei.

Das rund 130 Millionen Euro teure Teleskop steht in 2400 Metern Höhe auf dem Roque de los Muchachos, dem höchsten Gipfel der kleinen Kanaren-Insel. Die Bauzeit betrug sieben Jahre. Mit dem Grantecan wollen die Wissenschaftler in bislang unerreichte Tiefen des Universums vorstoßen, fast bis zum Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren. Das Teleskop ist so stark wie vier Millionen menschliche Pupillen und so präzise, dass es von den Kanaren aus das Licht einer brennenden Kerze in Moskau erkennen oder die zwei Scheinwerfer eines Autos in Australien auseinanderhalten könnte. Betrieben wird die Sternwarte von dem Astrophysikalischen Institut der Kanaren (IAC).

Das Herzstück der Anlage ist ein Spiegel von 10,4 Metern Durchmesser, der bislang größte eines einzelnen Teleskops weltweit. Der Riesenspiege ist aus 36 sechseckigen Segmenten zusammengesetzt. Sie haben in der Diagonalen jeweils eine Länge von 1,90 Metern, sind 8,5 Zentimeter dick und wiegen pro Stück 500 Kilogramm. Beim Bau der Anlage war auch ein deutsches Unternehmen beteiligt. Der Mainzer Technologiekonzern Schott lieferte den Spiegelträger.

Den Titel des weltgrößten Teleskops wird die Grantecan jedoch schon bald wieder verlieren. Auf Hawaii startet der Bau eines noch leistungsstärkeren Fernrohrs. Der Spiegel des Teleskops wird einen Durchmesser von knapp 30 Metern haben und Forschern ermöglichen, Licht der ältesten Sterne und Galaxien aufzufangen und zu analysieren. Dadurch erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse über den Ursprung unseres Universums. Die Entscheidung fiel am Dienstag für den Standort Hawaii, weil das Teleskop dort auf einem erloschenen Vulkan von 4 205 Metern Höhe errichtet werden kann, wo rund 300 Tage pro Jahr optimale Wetterbedingungen für die Himmelsbeobachtungen bestehen.

Damit hatte ein Standort in Chile das Nachsehen. Das Teleskop soll 2018 einsatzbereit sein. Erbaut wird das Teleskop von der University of California, dem kalifornischen Institut für Technik und der Vereinigung der Kanadischen Universitäten der Astronomie. Doch aus dieses Teleskop wird den Größenrekord jedoch nicht lange halten: Ein europäisches Konsortium plant ein Teleskop mit einem Spiegel von 42 Metern, das ebenfalls 2018 einsatzbereit seien soll. Als Standorte kommen Argentinien, Chile, Marokko und Spanien infrage.

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