Weltraumlabor „Columbus“
Europa vor Comeback im All

Europa zeigt Präsenz im All: Mit jahrelanger Verspätung startet das europäische Weltraumlabor "Columbus" morgen zur ISS; sechs Jahre nach Baubeginn des Weltraumlabors kann die europäische Raumfahrt nun ihre lange geplante eigene Infrastruktur realisieren. Mit der Ariane 5 soll bereits Ende des Monats Teil zwei der europäischen Leistungsschau folgen.

MÜNCHEN. Europas Raumfahrtplaner müssen in diesen Tagen gute Nerven haben. Morgen startet mit fünf Jahren Verspätung das europäische Weltraumlabor "Columbus" ins All. Geht alles glatt wird der sechs Meter lange und vier Meter breite Zylinder an die Weltraumstation ISS andocken und schon am Wochenende vom deutsche Astronauten Hans Schlegel in Betrieb genommen. Vier Wochen später schickt Europa ein weiteres Modul zur ISS. Von Korou aus startet die Ariane 5 das Versorgungsschiff ATV ins All, Europas neues Lastpferd für den Weltraum.

Sechs Jahre nach dem Baubeginn der ISS haben die Europäer ihr Ziel erreicht. "Endlich bekommen wir eine eigene, europäische Infrastruktur im Weltraum", freut sich Thomas Reiter, Vorstand für Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln. Im Jahr 2006 hat Reiter 166 Tage an Bord der ISS verbracht, die bislang ohne wissenschaftliches Großlabor auskommen musste. Fehlende Transportkapazitäten hielten das 880-Millionen Euro teure "Columbus-Modul" am Boden.

Das europäische Weltraumlabor sollte bereits 2003 ins All geschossen werden, mit dem Absturz des amerikanischen Space-Shuttles "Columbia" platzten jedoch vorerst alle Träume. Die Amerikaner setzten die Flüge ihrer Space-Shuttles lange Zeit aus, nur mit russischen Sojus-Kapseln war die Station zu erreichen. Eine Notbesatzung von drei Mann hielt die Station funktionsfähig.

Nicht erst seit dem Columbia-Desaster vermissen die Europäer schmerzlich ein eigenes Raumfahrzeug, das ihre Astronauten ins Weltall bringen könnte. Die zahlenden Passagiere bei Amerikanern und Russen, nagen am Selbstbewusstsein der europäischen Raumfahrt. Doch es war vor allem die Bundesregierung, die Anfang der neunziger Jahre die Pläne der Esa für einen eigenen, kleinen Weltraumgleiter stoppte. Das Milliardenprojekt war kurz nach der Wiedervereinigung nicht mehr zu finanzieren.

So trudelt die ISS nach dem "Columbia"-Desaster halbfertig und mit halber Besatzung um die Erde. Doch nun wollen vor allem Amerikaner und Europäer das Projekt nicht als Investitionsruine verkommen lassen. Ab dem kommenden Jahr sollen ständig sechs Astronauten an Bord sein, dann ist endlich Zeit für die Wissenschaft hofft Reiter.

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