Forschung + Innovation
Weniger Herz-Operationen in Deutschland

Die Anzahl der Operationen am Herzen ist in Deutschland leicht zurückgegangen. Gründe seien die verbesserte Vorbeugung und Früherkennung bei Gefäßverkalkung sowie neue Behandlungstechniken.

dpa HAMBURG. Die Anzahl der Operationen am Herzen ist in Deutschland leicht zurückgegangen. Gründe seien die verbesserte Vorbeugung und Früherkennung bei Gefäßverkalkung sowie neue Behandlungstechniken.

Das sagte Prof. Arno Krian vom Herzzentrum Duisburg am Freitag vor einem Treffen der deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie in Hamburg. Allerdings würden in Deutschland mehr und zunehmend ältere Menschen an Herzklappen operiert.

Die Gesamtzahl der Eingriffe am Herzen sei im vergangenen Jahr auf rund 146 000 gesunken, nach knapp 147 500 im Jahr 2003. Damit liege Deutschland im weltweit rückläufigen Trend seit dem Jahr 2000. Neben der Vorbeugung nannte Krian moderne Therapien als Ursache: So könnten mit Ballon-Dilatationen die Herzkranzgefäße häufiger ohne großen Eingriff erweitert und mit so genannten Stents stabilisiert werden.

Die Zahl der Herzklappenoperationen an älteren Menschen seien dagegen von 16 800 im Jahr 2003 auf fast 18 570 im vergangenen Jahr gestiegen. Dieser Trend habe mit der Alterspyramide zu tun, denn mit zunehmenden Alter steige das Risiko einer Verkalkung, sagte Krian. „Und im Gegensatz zu früher kann man heute auch im höheren Lebensalter eine solche Operation mit akzeptablen Risiko durchführen.“

Von den 96 000 Patienten, die 2004 in Deutschland mit dem Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine operiert wurden, waren rund 40 000 älter als 70 Jahre, 7 000 älter als 80 Jahre. Krian wertete das als Beleg für die hohe Leistungsfähigkeit der Herzchirurgen in Deutschland.

Die Herzchirurgen machen sich Sorgen um ihren Nachwuchs. In Deutschland drohe von 2008 an ein Mangel an qualifizierten Operateuren, wenn der Trend anhalte, sagte Prof. Uwe Mehlhorn von der Uniklinik Köln. Seit 1991 habe sich der Nachwuchs in diesem Bereich um 40 Prozent verringert. Fast die Hälfte der Assistenzärzte ist unzufrieden mit den Weiterbildungsmöglichkeiten, habe eine Befragung ergeben.

Die deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie tagt von Sonntag bis Mittwoch im Congress-Centrum Hamburg. Dabei wird auch das Problem der Kosteneinsparung in den Intensivstationen Gesprächsthema sein. Die Herzspezialisten warnten davor, bei Zusammenlegungen von Intensivstationen die nachoperative Verantwortung an Anästhesisten zu übertragen. „Die Verantwortung liegt unzweifelhaft in der Hand der Herzchirurgen“, sagte der Direktor des Kölner Herzzentrums, Prof. Ernst-Rainer de Vivie.

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