Werkstoffe der Zukunft
Porzellan mit Kuschelfaktor

BERLIN. Der Thüringer Porzellanhersteller trägt auf das Geschirr seiner Serie Touch eine textile Beschichtung aus High-Tech-Fasern auf. Die Tassen und Teller fassen sich nicht nur samtig an, sie sind sogar spülmaschinenfest und sie isolieren die Wärme: Das Getränk bleibt warm, die Tasse außen kühl.

Ganz neu bei Kahla ist auch ein Porzellan, das sich immer wieder beschriften lässt. Notizen auf der Kaffeetasse – wenn sie mit Bleistift und Buntstift geschrieben sind – lassen sich einfach wegradieren. „Die meisten Innovationen im Porzellanbereich passieren auf der Oberfläche“, beschreibt Jutta Burkhart, Marketingleiterin bei Kahla, die Entwicklungen des Unternehmens. Die ständige Veredelung des traditionsreichen Materials sei ein wichtiger Faktor im Kampf um Marktanteile.

Beim verwandten Material Industriekeramik haben die Forscher ganz andere Ziele als die Porzellanveredler. Hier geht es darum, den Werkstoff immer stabiler und widerstandsfähiger zu machen. „Neue Herstellungsverfahren beispielsweise der Spritzgusstechnik erlauben, eine bessere Qualität in größerer Stückzahl zu produzieren“, sagt Michael Zins, Projektleiter des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) in Dresden. So sei es möglich, Schneidkanten in Kaffeemühlen mittlerweile millionenfach in bester Qualität aus Keramik herzustellen.

Was sich mit dem Werkstoff machen lässt, zeigt das IKTS zusammen mit Unternehmen und Partnern auf einem Gemeinschaftsstand auf der „Subcontracting – Internationale Leitmesse der Zulieferung von Werkstoffen, Komponenten und Systemen für den Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau“ im Rahmen der Hannover Messe. Die Einsatzgebiete sind vielfältig und reichen vom Autobau bis zum Zahnersatz. „Das Material ist verschleißfest und temperaturbeständig und hat im Vergleich zu Stahl und Metall ein geringes Gewicht“, beschreibt Zins die Vorteile von Keramik. Vor allem ist es extrem hart und formstabil. Das beweist es beispielsweise im Einsatz auf Skischanzen: Das IKTS entwickelte zusammen mit der Firma Etec aus Lohmar kleine Keramiknoppen, die als Belag in die Anlaufspuren eingebaut sind. Bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin glitten die Skispringer mit Hilfe von Keramik zum Absprung.

Welche Entwicklungen es in Sachen Neue Materialien gibt, zeigt die Sonderschau „Material Trends“ auf der Hannover Messe. Unter anderem präsentiert das Color & Material Lab der Münchner Designagentur Designafairs mit Partnerfirmen eine Materialschau. Die Anforderungen an neue Materialien seien heute vielfältig, sagt Michael Lanz, Leiter des Color & Material Lab. Die Kosten müssten niedrig sein, dabei sollten die Materialien gut aussehen und funktional sein. Dass Neues entsteht, sei oft Zufall und passiere meist dann, wenn bekannte Materialien in andere Zusammenhänge gebracht würden. Designafairs beispielsweise hat die Flaschen einer Frisör-Haarpflegelinie neu gestaltet. Dabei wird ein Gummi als Flaschenhals eingesetzt, der aus dem Sport- und Werkzeugbereich bekannt, in der Kosmetik jedoch einzigartig ist. Er ziert nun als schwarzer Ring den Flaschenhals. Das sei nicht nur ein gestalterisches Merkmal, sondern auch praktisch, sagt Lanz: Selbst mit nassen Händen können Friseure die Shampoo-Flaschen öffnen.

Auf der Hannover Messe sind im Color & Material Lab auch leuchtende Textilien zu sehen. Das Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland (TIVT) in Greiz verändert die Oberflächen von Textilien so, dass sie selbst Licht abgeben können. „Bislang leuchteten Textilien durch Reflexion oder Absorption des einfallenden Lichts“, sagt Sabine Gimpel, Bereichsleiterin Forschungsmarketing und -management beim TITV. Die Thüringer arbeiten dagegen metallisierte Fäden in das Gewebe ein, danach tragen sie eine spezielle Paste auf. Diese beiden Elemente bringen Stoffe zum Leuchten – sie müssen nur noch an eine Stromquelle, das kann auch eine winzige Batterie sein, angeschlossen sein. Noch sei das Material in der Entwicklungsphase, sagt Gimpel, aber es gebe schon einige Interessenten. Die Anwendungsmöglichkeiten seien vielfältig: Auf Jacken von Rettungsdiensten beispielsweise könnten leuchtende Schriftzüge zur Sicherheit beitragen. Oder Gerüstabhängungen könnten zu leuchtenden Werbeflächen werden.

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