Werkzeugmaschinen
Grüne Technik nicht gefragt

Der Bohrer dreht sich, die Werkzeugmaschine läuft wie geschmiert. Dabei ist das Kühlschmiermittel auf dem Werkzeug gar nicht zu sehen. Eine neue Technologie reduziert den Verbrauch von Kühlschmiermitteln von mehreren Litern pro Arbeitsminute auf einige Milliliter. Das bringt gleich mehrere Vorteile.
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WERTHER. Nicht etwa, weil keines verwendet wird - sondern weil die Mengen des Schmierstoffes kaum mehr wahrnehmbar sind. Bei herkömmlichen Maschinen in der Metall- und Kunststoffverarbeitung ergießen sich ganze Ströme von Kühlschmiermittel über die Werkstücke. Dabei reicht mit der richtigen Technik bereits ein mikrofeiner Sprühnebel. "Spezielle Schmiermittel werden mit Druckluft zu einem Aerosol zerstäubt", erklärt Frank Bechtloff, Vorstandsvorsitzender der SKF Lubrication Systems Germany AG. Dieses Aerosol wird direkt an die Spitze des Werkzeuges geführt. Die neue Technologie reduziert den Verbrauch von Kühlschmiermitteln von mehreren Litern pro Arbeitsminute auf einige Milliliter.

Das bringt gleich mehrere Vorteile. Die Reduktion von Schmierstoff sorgt für eine bessere Oberflächenqualität bei den Werkstoffen. Damit entfallen viele Nachbearbeitungen. Minimalschmiersysteme verkürzen die Fertigungszeit auf diese Weise um 30 Prozent. Zudem hinterlässt das Aerosol keinen Schmierfilm, weder auf dem Werkstück, noch auf den Maschinen. Das bedeutet weniger Maschinenputzen und damit weniger Stillstand in der Produktion.

Auch auf den Spänen sind keine Rückstände zu sehen. Das Unternehmen kann sich so die Reinigung der Späne sparen. Diese sind dann keinesfalls Abfall, vielmehr können sie mit der neuen Technik ohne weiteren Reinigungsaufwand in den Verkauf oder das Recycling gehen. Auch das Betreiben einer Filteranlage mit Umwälzpumpe wird überflüssig: "Je nach Produktteil können Unternehmen bis zu 30 Prozent der benötigten Energie sparen", sagt Bechtloff. Dazu kommen Kostenvorteile durch den Wegfall aller Ver- und Entsorgungstechnik für den Kühlschmierstoff, ebenso die Kosten für Kauf, Lagerung, Pflege bei der Aufbewahrung, Transport sowie Entsorgung der Altstoffe.

"Jährlich werden allein in Deutschland rund 75 000 Tonnen Kühlschmierstoffe verbraucht", sagt Benjamin Kuhrke, Gruppenleiter Umweltgerechte Produktion, Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen an der Technischen Universität Darmstadt. In absehbarer Zukunft könnten gesetzliche Vorgaben seitens der Europäischen Kommission Druck auf die Hersteller ausüben, ihre Werkzeugmaschinen energieeffizienter zu gestalten: "Derzeit wird im Zuge der Umsetzung der europäischen Rahmenrichtlinie ?Energy using Products? (EuP) eine Studie vorbereitet, mit Vorschlägen für sinnvolle Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs von Werkzeugmaschinen", sagt Experte Kuhrke. "Daraufhin wird es gesetzlich bindende Durchführungsmaßnahmen geben. Aber bisher ist noch unsicher, wie weit die Vorschriften gehen werden."

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