Wetter
Stürmische Zeiten im Mittelalter

Das Mittelalter war eine wilde Zeit. Vielleicht noch wilder als bisher gedacht. Jetzt haben Forscher herausgefunden: Vor 1000 Jahren gab es besonders viele Hurrikane. Wie die Wissenschaftler sich durch Sedimente wühlten – und dabei eine erstaunliche Entdeckung machten.
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DÜSSELDORF. Im Mittelalter gab es über dem Atlantik womöglich noch mehr Hurrikane als in den vergangenen Jahren. Das berichtet ein amerikanisches Forscherteam in der aktuellen Ausgabe von „Nature“.

„Die Hurrikan-Aktivität seit Mitte der neunziger Jahre ist die höchste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“, sagt der Klimaforscher Michael Mann von der Pennsylvania State University. „Aber die Aufzeichnungen reichen nur wenig mehr als ein Jahrhundert zurück. Deshalb ist es schwierig festzustellen, ob diese Zunahme der Hurrikan-Aktivität wirklich ungewöhnlich ist.“

Aus diesem Grund wagten Mann und seine Kollegen einen tieferen Blick in die Vergangenheit. Dabei fanden sie heraus, dass es vor gut 1000 Jahren schon einmal besonders stürmisch über dem Atlantik war. Sie glauben, dass die damalige Sturmaktivität die der vergangenen Jahre sogar noch übertroffen haben könnte.

Die Wissenschaftler untersuchten die Hurrikane der Vergangenheit gleich mit zwei Methoden. Zum einen forschten sie in den Sedimenten in amerikanischen Küstengebieten nach Spuren von Meerwasser, das durch die Stürme ins Landesinnere transportiert wurde. Zum anderen nutzten sie ein Computermodell, das sie mit Klimadaten aus der Vergangenheit fütterten, um die einstigen Wetterbedingungen über dem Atlantik zu simulieren.

Mit beiden Methoden fanden die Wissenschaftler eine besonders starke Sturmaktivität vor etwa 1000 Jahren. Damals herrschte die sogenannte „mittelalterliche Klimaanomalie“: In Europa war es vom 9. bis zum 14. Jahrhundert ungewöhnlich warm. Offenbar war zu dieser Zeit auch der Atlantische Ozean wärmer als üblich. So ergaben sich ideale Hurrikan-Bedingungen. Nach dieser besonders stürmischen Phase beruhigte sich das mittelalterliche Atlantikwetter jedoch wieder.

Auch in der Gegenwart scheint derzeit die Ruhe nach dem Sturm zu herrschen: Die diesjährige Hurrikan-Saison ist bisher glimpflich verlaufen. Eines ist jedoch klar: Die Hurrikan-Aktivität der letzten Jahre war tatsächlich ungewöhnlich stark. „Wir sind“, erklärt Mann, „heute auf einem Level wie seit 1000 Jahren nicht mehr.“

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