Wettervorhersage durch Vögel

Der Albatros als Wetterfrosch

Albatrosse sind echte Dauerflieger, die riesige Distanzen über dem offenen Ozean zurücklegen. Die erstaunliche Flugleistung der Tiere wollen sich Forscher zunutze machen, um die Wettervorhersage zu verbessern.
Albatrosse können tausende Kilometer über offenem Meer zurücklegen. Das wollen sich Wetterforscher zunutze machen. Quelle: dpa
Rekordflieger

Albatrosse können tausende Kilometer über offenem Meer zurücklegen. Das wollen sich Wetterforscher zunutze machen.

(Foto: dpa)

HeidelbergManche Vögel legen auf dem offenen Ozean schier atemberaubende Distanzen zurück. Der Albatros kann bei Bedarf mehr als 16.000 Kilometer ohne Zwischenlandung zurücklegen – das entspricht der Entfernung zwischen Heidelberg und Sydney. Diese enorme Flugleistung möchten sich nun Forscher um Katsufumi Satoa von der Universität Tokio zu Nutze machen.

Die Tiere sollen den Wissenschaftlern als hochmobile Sensoren für Windverhältnisse auf dem Ozean dienen. Mit den so gewonnenen Daten könnte sich die Wettervorhersage verbessern lassen.

Das Forscherteam besuchte Nistplätze in Hawaii, Japan und Indien und bestückte dort Wanderalbatrosse, Laysanalbatrosse und Weißgesicht-Sturmtaucher mit kleinen Datensammelgeräten. Die so ausgerüsteten 19 Vögel lieferten den Forschern Daten aus insgesamt 500 Flugstunden.

Wo sich echte Wetterextreme austoben
Immer nur Sonne in Yuma, Arizona
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"It never rains in…" – Yuma, Arizona: Der sonnigste Platz der Erde befindet sich nicht in Südkalifornien, sondern in diesem Flecken Erde am südwestlichen Rand Arizonas – zumindest hat man noch an keinem anderen Ort mehr Sonnenschein gemessen als hier. An durchschnittlich 4015 Stunden pro Jahr strahlt die Sonne hier ungestört vom Himmel, jeden Tag im Mittel elf Stunden lang. In manchen Jahren regnet es in Yuma weniger als fünf Millimeter pro Quadratmeter, die sommerliche Durchschnittstemperatur liegt bei über 40 Grad Celsius.

Mount Washington, der Ort des extremsten Wetters
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Wer als Meteorologe Rekorde sucht, ist auf dem Mount Washington im US-Bundesstaat New Hampshire genau an der richtigen Stelle. Obwohl der Berg nur knapp 1917 Meter hoch ist und auf dem gleichen Breitengrad wie beispielsweise die italienische Hafenstadt Genua liegt, suchen ihn extreme Wetterlagen heim. An 110 Tagen im Jahr übersteigen die Windgeschwindigkeiten Hurrikanstärke. Mit den Tiefs prasseln auch ergiebige Niederschläge herab. Im Winter 1968/69 fielen 14 Meter Schnee auf dem Berg, dazu regnet es im Jahresschnitt mehr als 2500 Liter auf den Quadratmeter. Im Winter fallen die Temperaturen häufig unter minus 40 Grad Celsius.

Commonwealth Bay - windigster Ort der Erde
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Prinzipiell ist die Antarktis kein gemütlicher Ort, doch die Commonwealth Bay im Osten des Kontinents setzt noch eins drauf: Sie ist der wohl windigste Ort der Welt, an dem über das gesamte Jahr hinweg eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde gemessen wird. Häufig treten aber auch Stürme mit Windgeschwindigkeiten von 240 Kilometern pro Stunde auf. Ein Wetter, bei dem sich nur Pinguine wohlfühlen.

Die Blitze von Catatumbo
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Mindestens 260 Nächte im Jahr blitzt es nahe der Mündung des Río Catatumbo in den Maracaibo-See in Venezuela – und das praktisch immer an der gleichen Stelle. Die Blitzlichtgewitter entstehen, weil ausdauernd feuchtwarme Luftmassen über den See und die angrenzenden Ebenen streifen, bevor sie auf die Andenausläufer der Cordillera de Mérida treffen. Das Gebirge umschließt die Sümpfe auf drei Seiten und zwingt die Luft zum Aufstieg. Dabei bilden sich vor allem nachts Gewitterwolken, die sich stetig entladen. Bis zu zehn Stunden kann ein solches Gewitter dauern.

Grau in grau in der Neufundlandsee
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Wie Sie sehen – sehen Sie fast nichts. Und das ist Normalzustand an den Great Banks vor der Küste Neufundlands im nordwestlichen Atlantik: An mindestens 200 Tagen im Jahr wabert hier Nebel über das Wasser, was den Ort zu einem der düstersten der Erde macht. Schuld daran ist das Aufeinandertreffen des kalten Labradorstroms aus dem Norden und des warmen Golfstroms aus dem Süden.

Hagelschlag in den Nandi Hills
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Die Kericho-Nandi-Hills in Kenia haben den Ruf des hagelreichsten Orts der Erde hier hagelt es nahezu täglich. In der Hitze des Nachmittags steigt hier feuchte Luft vom Viktoriasee über den Bergen auf, sodass sich große Gewittertürme ausbilden. Darin herrscht enormer Auftrieb, der die Feuchtigkeit weiter in kühle Atmosphärenschichten reißt, wo sie gefriert, bis sie schließlich als Hagel ausfällt.

Richtig schmerzhaft bis lebensgefährlich wird es aber vor allem im Norden Indiens und Bangladeschs, wo Meteorologen die meisten Stürme mit Extremhagel beobachten: Die Eisbrocken haben Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern, und in Bangladesch klaubte man am 14. April 1986 sogar Hagelkörner auf, die mehr als ein Kilogramm wogen – 92 Menschen starben in diesem Unwetter.

Extreme Trockenheit im McMurdo-Tal
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Mitten in der Antarktis liegt der trockenste Ort der Welt: das McMurdo-Trockental. Hier hat es seit vielleicht Millionen von Jahren nicht mehr geschneit oder geregnet. Dazu herrschen Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius im Winter, im Sommer gibt es nur wenige Tage über dem Gefrierpunkt, und stetig peitschen orkanartige Fallwinde über die Landschaft. Deshalb sind die Täler auch nicht vom Eis überdeckt: Die Gebirge am Rand verhindern, dass Gletscher hierher vordringen, die trockenen Föhnwinde saugen jede Feuchtigkeit auf.

Indem die Forscher die jeweils aktuelle Fluggeschwindigkeit der Vögel mit der Geschwindigkeit über dem Boden ins Verhältnis setzten, konnten sie bestimmen, wie stark an einer gegebenen Position der Wind wehte. Ihre Berechnungen stimmten gut mit Daten überein, die von Satelliten geliefert wurden.

Bisher werden die Windverhältnisse auf offener See durch vereinzelte Bojen oder eben anhand von Satellitenaufnahmen bestimmt. Diese seien jedoch weder zeitlich noch räumlich sonderlich gut aufgelöst, so die Forscher.

Mit Hilfe der Tiere, die ohnehin große Distanzen zurücklegen, könnte man ein erheblich besseres Bild der Lage bekommen, vermuten Satoa und Kollegen. Dank ihrer Sensoren erhielten sie alle fünf Minuten – und damit ungefähr im Abstand von fünf Kilometern – einen Datenpunkt.

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