Wettervorhersage Nichts ist so unsicher wie der Regen

Was heißt eigentlich „Regenwahrscheinlichkeit 30 Prozent“? Sind ein paar Tropfen schon Niederschlag? Und wieso liegen die Vorhersagen so oft daneben? Die Regenprognose ist immer noch das Sorgenkind der Meteorologie.
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Die Bildschirmwand stellt die weltweiten Niederschlagsmengen farbig dargestellt werden. Die Meteorologen in Offenbach können zur Gewinnung der Daten auf ein Netz aus abertausenden Messstationen rund um den Globus zurückgreifen. Quelle: dpa
Regenprognose beim Deutscher Wetterdienst

Die Bildschirmwand stellt die weltweiten Niederschlagsmengen farbig dargestellt werden. Die Meteorologen in Offenbach können zur Gewinnung der Daten auf ein Netz aus abertausenden Messstationen rund um den Globus zurückgreifen.

(Foto: dpa)

OffenbachDer Kirschbauer will wissen, ob er morgen seine Bäume spritzen kann. Die Band will wissen, ob sie am Abend das Open Air absagen muss. Und der Arbeitnehmer will wissen, ob er mit dem Rad oder der U-Bahn ins Büro fährt. Regnet es oder bleibt es trocken? Eine Frage, die alle ständig stellen – und die für Meteorologen so schwer zu beantworten ist wie keine andere.

Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) im hessischen Offenbach sind die Mitarbeiter in dieser Hinsicht Leid gewohnt. „Wenn man mit euch ein Wochenende plant“, schimpfen Menschen in den sozialen Medien, „kauft man sich besser einen Frosch oder fragt einen Rheumakranken“.

Wo sich echte Wetterextreme austoben
Immer nur Sonne in Yuma, Arizona
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"It never rains in…" – Yuma, Arizona: Der sonnigste Platz der Erde befindet sich nicht in Südkalifornien, sondern in diesem Flecken Erde am südwestlichen Rand Arizonas – zumindest hat man noch an keinem anderen Ort mehr Sonnenschein gemessen als hier. An durchschnittlich 4015 Stunden pro Jahr strahlt die Sonne hier ungestört vom Himmel, jeden Tag im Mittel elf Stunden lang. In manchen Jahren regnet es in Yuma weniger als fünf Millimeter pro Quadratmeter, die sommerliche Durchschnittstemperatur liegt bei über 40 Grad Celsius.

Mount Washington, der Ort des extremsten Wetters
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Wer als Meteorologe Rekorde sucht, ist auf dem Mount Washington im US-Bundesstaat New Hampshire genau an der richtigen Stelle. Obwohl der Berg nur knapp 1917 Meter hoch ist und auf dem gleichen Breitengrad wie beispielsweise die italienische Hafenstadt Genua liegt, suchen ihn extreme Wetterlagen heim. An 110 Tagen im Jahr übersteigen die Windgeschwindigkeiten Hurrikanstärke. Mit den Tiefs prasseln auch ergiebige Niederschläge herab. Im Winter 1968/69 fielen 14 Meter Schnee auf dem Berg, dazu regnet es im Jahresschnitt mehr als 2500 Liter auf den Quadratmeter. Im Winter fallen die Temperaturen häufig unter minus 40 Grad Celsius.

Commonwealth Bay - windigster Ort der Erde
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Prinzipiell ist die Antarktis kein gemütlicher Ort, doch die Commonwealth Bay im Osten des Kontinents setzt noch eins drauf: Sie ist der wohl windigste Ort der Welt, an dem über das gesamte Jahr hinweg eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde gemessen wird. Häufig treten aber auch Stürme mit Windgeschwindigkeiten von 240 Kilometern pro Stunde auf. Ein Wetter, bei dem sich nur Pinguine wohlfühlen.

Die Blitze von Catatumbo
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Mindestens 260 Nächte im Jahr blitzt es nahe der Mündung des Río Catatumbo in den Maracaibo-See in Venezuela – und das praktisch immer an der gleichen Stelle. Die Blitzlichtgewitter entstehen, weil ausdauernd feuchtwarme Luftmassen über den See und die angrenzenden Ebenen streifen, bevor sie auf die Andenausläufer der Cordillera de Mérida treffen. Das Gebirge umschließt die Sümpfe auf drei Seiten und zwingt die Luft zum Aufstieg. Dabei bilden sich vor allem nachts Gewitterwolken, die sich stetig entladen. Bis zu zehn Stunden kann ein solches Gewitter dauern.

Grau in grau in der Neufundlandsee
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Wie Sie sehen – sehen Sie fast nichts. Und das ist Normalzustand an den Great Banks vor der Küste Neufundlands im nordwestlichen Atlantik: An mindestens 200 Tagen im Jahr wabert hier Nebel über das Wasser, was den Ort zu einem der düstersten der Erde macht. Schuld daran ist das Aufeinandertreffen des kalten Labradorstroms aus dem Norden und des warmen Golfstroms aus dem Süden.

Hagelschlag in den Nandi Hills
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Die Kericho-Nandi-Hills in Kenia haben den Ruf des hagelreichsten Orts der Erde hier hagelt es nahezu täglich. In der Hitze des Nachmittags steigt hier feuchte Luft vom Viktoriasee über den Bergen auf, sodass sich große Gewittertürme ausbilden. Darin herrscht enormer Auftrieb, der die Feuchtigkeit weiter in kühle Atmosphärenschichten reißt, wo sie gefriert, bis sie schließlich als Hagel ausfällt.

Richtig schmerzhaft bis lebensgefährlich wird es aber vor allem im Norden Indiens und Bangladeschs, wo Meteorologen die meisten Stürme mit Extremhagel beobachten: Die Eisbrocken haben Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern, und in Bangladesch klaubte man am 14. April 1986 sogar Hagelkörner auf, die mehr als ein Kilogramm wogen – 92 Menschen starben in diesem Unwetter.

Extreme Trockenheit im McMurdo-Tal
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Mitten in der Antarktis liegt der trockenste Ort der Welt: das McMurdo-Trockental. Hier hat es seit vielleicht Millionen von Jahren nicht mehr geschneit oder geregnet. Dazu herrschen Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius im Winter, im Sommer gibt es nur wenige Tage über dem Gefrierpunkt, und stetig peitschen orkanartige Fallwinde über die Landschaft. Deshalb sind die Täler auch nicht vom Eis überdeckt: Die Gebirge am Rand verhindern, dass Gletscher hierher vordringen, die trockenen Föhnwinde saugen jede Feuchtigkeit auf.

Beim DWD hört man das natürlich nicht gern. Aber Mitarbeiter geben zu: Bei allen Vorhersagen werden die Prognosen immer besser – nur nicht beim Regen. Wieso das so ist, weiß Detlev Majewski, Leiter der DWD-Abteilung Meteorologische Analyse und Modellierung.

„Niederschlag ist einer der kompliziertesten Prozesse in der Atmosphäre“, sagt er. Zunächst einmal sind Tropfen in den Wolken sehr viel kleiner als Regentropfen. Damit ein Regentropfen zu Boden fällt, müssen sich viele Wolkentropfen zusammenballen.

Das tun sie, wenn es entweder so viele sind, dass die Tröpfchen aneinander stoßen und sich verbinden. Oder wenn sie auf Widerstand treffen – etwa Feinstaub in der Luft. An Staubpartikeln kondensieren die Mini-Tröpfchen wie der Dampf an der Scheibe der Dusche.

Auf dem Weg nach unten kann dann viel passieren: Der Tropfen wird vom Wind abgetrieben und landet weit weg von der Wolke. Also müssen die Meteorologen Wind mit einbeziehen. Oder er verdampft, weil es unten wärmer ist als oben.

Auch wenn man nur etwas über Regen wissen will, muss das ganze Vorhersagemodell des DWD herhalten: 700.000 Programmzeilen auf einem Computer, der 40 Millionen Euro gekostet hat.

Je kleiner das Gebiet, desto unsicherer die Vorhersage
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