Wettlauf mit der Zeit
ISS-Computer spinnen – Reparatur scheitert

Auch drei Tage nach dem mysteriösen Computerabsturz auf der Internationalen Raumstation ISS spielten am Freitag zwei von drei russischen Rechnersystemen verrückt – darunter auch der zentrale Bordcomputer.

HB KOROLJOW/HOUSTON. Die russischen Kosmonauten an Bord der Internationalen Raumstation haben es trotz intensiver Arbeit am Freitag nicht geschafft, die ausgefallenen Computer in ihrem Bereich der ISS wieder in Gang zu bekommen. In Russland wurde deshalb erwogen, den Start einer Versorgungskapsel vorzuziehen, um neue Computer zur ISS zu bringen.

„Es wird geprüft, wie sich eine Ersatz-Stromversorgung für den Bordcomputer transportieren lässt“, teilte ein Sprecher am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Aus diesem Grund könnte der nächste Flug eines unbemannten russischen Raumfrachters vom Typ Progress vom ursprünglich geplanten Termin im August um zwei Wochen auf den 23. Juli vorverlegt werden. Pläne, die ISS zu evakuieren, gebe es nicht, sagte ein Sprecher des russischen Kontrollzentrums bei Moskau, Waleri Lyndin. „Das Leben der Besatzung ist nicht in Gefahr“, betonte er.

Nach russischen Angaben hatte sich bei Arbeiten der Amerikaner an einem Sonnensegel ein Kurzschluss auf der ISS ereignet, von dem am Freitag sowohl die Hauptversorgung des Bordcomputers wie auch die Ersatzversorgung betroffen waren. Die Kosmonauten hätten die ganze Nacht an den Systemen gearbeitet, es aber nur geschafft, eine von drei Stromleitungen zu den Rechnern wiederherzustellen, sagte Nasa-Sprecherin Holly Ridings. Die Bodenkontrolle haben sie schließlich angewiesen, ihre Arbeit zu beenden und zu schlafen.

Ein Vertreter der russischen Raumfahrtbehörde Roscosmos, Wladimir Solowjow, sagte, die Techniker hätten das russische Luftaufbereitungssystem mit dem Namen Elektron, das von den Rechnern kontrolliert wurde, stillgelegt. Die ISS habe aber noch Sauerstoff für 90 Tage.

Betroffen von dem Ausfall der insgesamt sechs Computer ist vor allem die Steuerung der Raumstation in ihrer Erdumlaufbahn. Die russischen Rechner steuern die Raketen, mit denen die Position der ISS verändert wird, zum Beispiel um Weltraumschrott auszuweichen.

Die Störung sei zwar bislang einmalig, gebe aber noch keinen Anlass, eine Evakuierung der Station in Erwägung zu ziehen, sagte auch Nasa-Projektleiter Bill Gerstenmaier. „Wir sind noch weit von einem Abzug der Besatzung entfernt.“

Die Ausrichtung der Raumstation kann von der Raumfähre „Atlantis“ unterstützt werden, die seit Sonntag an der ISS angedockt ist. Deswegen bereiten sich die Astronauten der „Atlantis“ auf eine weitere Verlängerung ihrer Mission vor. Kameras, Notebooks und einige Leuchten der Raumfähre wurden ausgeschaltet, um Energie für einen möglichen weiteren Tag im All zu sparen.

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