Forschung + Innovation
Wie Mensch und Tier andere täuschen

Bei Tieren geht es meist ums nackte Überleben, der Mensch schlägt geistige Haken: Viele Lebewesen versuchen, ihr Verhalten gezielt unvorhersehbar zu machen. Über die trickreichen Täuschungsmanöver berichtet die Fachzeitschrift „Bild der Wissenschaft“ in ihrer Oktober-Ausgabe.

dpa STUTTGART. Bei Tieren geht es meist ums nackte Überleben, der Mensch schlägt geistige Haken: Viele Lebewesen versuchen, ihr Verhalten gezielt unvorhersehbar zu machen. Über die trickreichen Täuschungsmanöver berichtet die Fachzeitschrift „Bild der Wissenschaft“ in ihrer Oktober-Ausgabe.

Schon der griechische Gott Proteus habe sich seinen Häschern entzogen, indem er sich nacheinander in ein Tier, eine Pflanze, eine Wolke und einen Baum verwandelte.

„Alle Lebewesen, deren Geschick mit dem anderer verkettet ist, haben sich dieses "proteanische" Muster zu Eigen gemacht und versuchen, ihre Gegner durch unberechenbares Verhalten aufs Glatteis zu führen“, heißt es. Dies gilt laut US-Evolutionsbiologe Geoffrey F. Miller zu Land, zu Wasser und in der Luft. Als Paradebeispiel gilt der Haken schlagende Hase.

Feldstudien ergaben: Drei von vier gejagten Gazellen entkommen dem Löwen, weil sie im Schlingerkurs flüchten. Kaninchen und Hasen wappnen sich sogar prophylaktisch gegen etwaige Angriffe - mit abrupten Sprüngen und Seitwärtsbewegungen. Dem gleichen Zweck dienten die plötzlichen Schwenker vieler Vogelschwärme beim Landeanflug. Auch Insekten schwirren zum Selbstschutz chaotisch hin und her. „Es ist schwieriger, die Bewegungen einer Hausfliege für die nächsten zehn Sekunden vorherzusagen als die Laufbahn des Saturns für die nächsten zehn Mrd. Jahre“, sagt Miller.

Ganz besonders raffiniert sind die Dreizehenmöwen. Weil das Weibchen während der Futtersuche des Männchens zum Seitensprung neigt, kehrt der Vogelvater „in einem komplett unvorhersehbaren Rhythmus für Zufallskontrollen zum Nest zurück“, entdeckte der Berner Zoologe Fabrice Helfenstein.

Menschen haben ebenfalls eine „proteanische Ader“, vor allem im Spiel und im Krieg, Frauen insbesondere auch beim Flirten, wie es heißt. Nach einer Hypothese des US-Psychologen Patrick Mcnamara gilt der von Träumen begleitete Tiefschlaf (REM) als „Mäzen der Unberechenbarkeit“. Viele Träume wiesen ein ungewöhnliches Maß an bizarren und unvorhersehbaren Assoziationen auf. Ihren höchsten Ausdruck finde die menschliche Unberechenbarkeit im Humor, in der Musik, Literatur und anderen Formen der Kreativität.

Kreative Menschen steckten voller Überraschungen und seien auf positive Weise unvorhersehbar. „Das kommt an: Das menschliche Gehirn ist auf "Neophilie" getrimmt - auf die Neigung, neue und unvorhersehbare Schöpfungen besonders zu beachten und zu honorieren.“

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