Windows-Media-Center-Software verbessert
Bill Gates glaubt weiter an den Media-PC

Bill Gates gibt nicht auf. Am Dienstag Abend hat er in Los Angeles die dritte Version der bislang kaum erfolgreichen Windows XP Media Center Edition vorgestellt. Die Edition 2005 soll nun endlich den Windows-PC zur Schaltzentrale der Heimunterhaltung machen. Ein Unterfangen, das bislang nicht gelungen ist.

DÜSSELDORF. Media-Center-PC sind schlicht Ladenhüter. Die Marktforscher bei IDC prognostizieren für 2004 einen Absatz von lediglich 550 000 Einheiten, das wären nicht mal drei Prozent des Gesamtmarkts. Die Ursachen dafür liegen in den Augen von Roger Kay, Vicepresident von IDC, auf der Hand: „Zu kompliziert in der Bedienung, zu fehleranfällig und zu laut fürs Wohnzimmer.“ Aussagen, die die Verbraucher nur bestätigen können. Microsoft prognostiziert dennoch unverdrossen einen wachsenden Marktanteil: Schon bald sollen 10 bis 20 Prozent aller neu verkauften PCs mit der Software XP Media Center ausgestattet sein.

Die „Windows XP Media Center Edition 2005“ (MCE) soll ein speziell auf die Bedürfnisse im Wohnzimmer zugeschnittenes Paket aus Hard- und Software sein. Unterschied zu einem Standard-PC: Flüsterleises Netzteil, eingebaute TV-Karte sowie eine Fernbedienung zusätzlich zur Tastatur. Der Rechner soll Fernseher, Videorekorder, Stereoanlage und DVD-Player steuern - und teilweise ersetzen.

Die Multimedia-Software, die es bereits seit 2002 gibt, besitzt einen zweiten Betriebsmodus. Drückt der Benutzer auf seiner Fernbedienung den Knopf mit dem Windows-Logo, schaltet sich der PC ein. Auf dem Monitor – ein Flachbildschirm oder Fernseher –, der direkt mit dem PC verbunden ist, erscheint ein Menü mit übergroßen Symbolen auf dem Monitor, die sich selbst aus großer Entfernung erkennen lassen.

Der Rechner greift auf eine nahezu unerschöpfliche Musik-Bibliothek zu. Schließlich lassen sich auf der Festplatte problemlos mehrere Tausend CDs speichern. – Einmal eingelegt, landet die Musik auf Wunsch auf der Harddisk. Gibt es eine Onlineverbindung – per Modem oder über WLAN – besorgt sich der PC auch Plattencover und Titelliste. Mit wenigen Handgriffen lässt sich eine Titelreihenfolge festlegen – oder der PC wählt die Musikstücke zufällig aus.

Auch beim Fernsehen wird Komfort geboten. Praktisch ist vor allem der serienmäßig eingebaute „Elektronische Programm Guide“, kurz EPG. Der PC versorgt sich übers Internet mit den Programmen aller wichtigen Sendeanstalten und präsentiert sie übersichtlich auf dem Bildschirm. Der Service ist kostenlos. Es reicht ein Knopfdruck, um eine Sendung aufzunehmen. Der Benutzer muss nichts eingeben – nicht einmal Start- oder Endzeit. Der PC kennt alle Daten und weiß Bescheid. Das funktioniert sogar bei Serien oder regelmäßig wiederkehrenden Sendungen: Die Sendezeiten werden automatisch ermittelt.

So weit die Theorie. Die Praxis sieht häufig anders aus. Die Edition 2005 soll deshalb lästige Macken und Schwächen der Vorgängerversionen beseitigen. Zum Beispiel werden erst jetzt zwei TV-Tuner unterstützt. Denn nur so kann der PC ein Programm aufzeichnen, während ein anderes über den Bildschirm flimmert. Das konnte schon seit langem der alte VHS-Rekorder besser. Neu sind auch die auf der Messe CES in Las Vegas im Januar vorgestellten „Extender“-Boxen. Sie übertragen Medieninhalte drahtlos per Wireless LAN auch in andere Räume.

Ob die Verbesserungen ausreichen, um die Herrschaft von PC und Windows zu sichern, ist fraglich. Längst haben andere Unternehmen eigene Lösungen entwickelt. Im Juli hat etwa Apple mit dem „Airport Express“ ein Gerät vorgestellt, mit dem sich Musik vom Apple-Rechner drahtlos zur Stereoanlage übertragen lässt. Und auch traditionelle Unterhaltungselektronikfirmen von Onkyo und Yamaha bis zu Philips oder Sony haben eigene Lösungen im Angebot, die teilweise völlig ohne PC auskommen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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