Wintersonne verwandelt Glasfassade in wärmenden Mantel für Gebäude
Solarwabe fängt Sonnenlicht ein

Wer mit Hilfe der Sonnenenergie Heizkosten sparen will, braucht kein aufwendiges Passivhaus zu bauen. Schlichte Solarwaben hinter einer Glasfassade sind nicht nur effizient, sondern auch preiswert und wartungsfrei.

DÜSSELDORF. „Die Fassade war Asbestverseucht, deshalb musste sie sowieso runter“, berichtet Thomas Zill, Architekt bei der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen. Doch statt dem Bürogebäude an der Leipziger Straße in Erfurt wieder eine konventionelle Außenwand zu verpassen, entschied sich der Bauherr im vergangenen Jahr für eine spezielle Solarfassade. Diese produziert weder Strom noch heißes Wasser, reduziert den Heizbedarf des Gebäudes mit seinen 6 000 Quadratmetern Nutzfläche aber um etwa 40 %.

Die Konstruktion, die von Holzrahmen gehalten wird, ist erstaunlich unkompliziert: Direkt hinter der äußeren Glashülle und einem Lüftungsspalt ist es eine Solarwabe aus Zellulose montiert, die das Sonnenlicht einfängt. Der Trick dabei: Die Wabe ist in der Lage, sich im Winter mehr aufzuheizen als im Sommer. Denn im Winter steht die Sonne tief, die Strahlen fallen nicht schräg von oben, sondern im rechte Winkel auf die Fassade. Damit können sie tief in die Solarwabe eindringen, diese aufheizen, wodurch das Gebäude eine wärmende Hülle erhält, die den Verlust von Heizenergie verhindert.

Die im Sommer schräg von oben auftreffenden Sonnenstrahlen werden dagegen reflektiert und verlassen die Wand wieder fast ohne sie aufzuheizen. Was dennoch an einem heißen Julitag durchdringt, entspricht laut Hersteller für einen Raum von zehn Quadratmetern der Wärmeentwicklung einer 60 Watt-Glühbirne.

Lediglich vier Wochen dauerte es, das gesamte Bürogebäude in Erfurt mit dem neuen Wärmekleid zu versehen. Hersteller dieser „ESA-Solarfassade“ ist die Gap-Solar GmbH im Österreichischen Perg. Die einzelnen, vier Meter hohen und vierzehn Meter langen Elemente wurden vorgefertigt und Stück für Stück zur Baustelle gefahren.

Die Vorteile dieser Lösung liegen nicht nur in der Energieeinsparung. Die Glasfassade ist sehr schlank, was die Nutzfläche im Haus erhöht. Außerdem ist sie wartungsfrei, wetterbeständig, und der Bauherr kann sie farblich individuell gestalten lassen. Soll ein Gebäude am Ende der Nutzungszeit verschwinden, können die Materialien der Außenhülle wieder verwendet, beziehungsweise rückstandsfrei entsorgt werden.

Im Gegensatz zur so genannten „Transparenten Wärmedämmung“, bei der die Außenwand möglichst viel Sonnenenergie aufnehmen soll, wird die Wand hinter dem Glas nicht erwärmt, sondern es entsteht lediglich eine wärmende Hülle. „Bei unserer Lösung benötigen wir keine massive Wand als Wärmespeicher und können daher die Fassade auch für Häuser in Leichtbauweise anbieten“, sagt Michael Palfi, der bei Gap-Solar für die technische Beratung zuständig ist. Wenn die Wärmehülle von Beginn an Teil der Neubauplanung ist, könnten mit der Technik auch die Dämmwerte eines Passivhauses erreicht werden.

Die Lösung in Erfurt hat mit etwa 350 Euro pro Quadratmeter geringfügig mehr gekostet als eine konventionelle Fassade. Etwa 100 Häusern haben die Österreicher schon mit dem Wärmekleid ausgestattet, und darunter sind sowohl Stein- als auch Holzhäuser. Mit Ausnahme der Sanierung in Erfurt handelte es ich dabei ausschließlich um Neubauten.

Michael Palfi sieht jedoch künftig gerade bei bestehenden Gebäuden ein großes Betätigungsfeld. Dazu könnten durchaus auch eine Reihe jener Plattenbauten in den neuen Bundesländern gehören, die nicht dem Rückbau – sprich Abriss – zum Opfer fallen sollen. Im Gegensatz zu einem Stahlbeton-Skelettbau wie in Erfurt kann man dabei zwar nicht einfach die Außenwand entfernen und durch eine neue ersetzen. Es ist aber möglich, die Solarfassade vor die bestehende Mauer zu hängen. „Auch dadurch könnte man viel Energie sparen“, so Michael Palfi, „und außerdem würden diese Gebäude optisch enorm gewinnen.“

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