Wirbelstürme
Wie Tornados entstehen

In den letzten Tagen zogen die tödlichsten Tornados seit 1974 über Teile des US-amerikanischen Südostens. Ursache des extremen Wetters ist das fatale Zusammenfallen verschiedener Phänomene.
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HeidelbergIn den letzten Tagen zogen die tödlichsten Tornados seit 1974 über Teile des US-amerikanischen Südostens: In sechs Bundesstaaten starben rund 300 Menschen. Am härtesten traf es dabei Alabama, wo mehr als die Hälfte der Todesfälle zu beklagen waren.

Ursache des extremen Wetters, das mindestens 100 Tornados ausgelöst hat, war ein besonders kräftiges Tiefdruckgebiet, das feuchtwarme Luftmassen vom Atlantik und dem Golf von Mexiko in nördliche und westliche Richtung ins Binnenland der USA gesaugt hat. Dort prallten sie auf ein stabiles Paket aus kalter und ebenfalls recht feuchter Luft, das seit geraumer Zeit über den nördlichen Teilen des Landes liegt. Beide rotieren dabei als Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn und verwirbeln dort intensiv, wo sie aufeinandertreffen.

Diese extremen Gegensätze reichten eigentlich bereits aus, um extreme Unwetter auszulösen. Das Desaster perfekt machte jedoch noch ein Jet-Strom in höheren Atmosphärenschichten – ein schmales Windband, das am 27. April mit großer Geschwindigkeit entlang der Luftmassengrenze von West nach Ost blies. In Kombination mit den aus Süden und Osten wehenden Winden nahe der Oberfläche brütete die Sturmfront zahlreiche kräftige, lokale Gewitterzellen aus, in denen sich kalte und warme Luftmassen intensiv vermengten und in der Gewitterwolke zu rotieren begannen.

Schnell wächst aus einer solchen Wolke ein Rüssel heraus, der in der Folge bis zum Boden reichen kann – ein Phänomen, das in den USA bisweilen auch als "Finger Gottes" bezeichnet wird: Ein Tornado ist entstanden. Durchschnittlich erreicht ein derartiger Rüssel einen Durchmesser von rund 100 Metern, doch kann er in Extremfällen auch mehr als einen Kilometer ausmachen, was entsprechend die Schneise der Verwüstung vergrößert.

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  • Den zentralen Grund für die hohen Opferzahlen kann man auf praktisch jedem Bild erkennen: Wer Pappdeckel-Häuser baut, braucht sich nicht zu wundern, dass die öfter mal wegfliegen.

    Wenn bei uns mal eine Windhose entsteht, OK, die mögen meist weniger heftig sein, dann fliegen Dachziegel durch die Gegend und das eine oder andere Fenster geht zu Bruch. Ja: Bäume fliegen auch um, aber bedeutend seltener auf Leitungen. Die liegen bei uns meist unter der Erde.

    Damit ist übrigens auch die Frage beantwortet, warum die Amis so viel Energie brauchen - nicht nur wegen ihrer riesigen Low-Tech-Autos: Von Wärmeisolierung hat kaum ein Ami schon was gehört. Die wäre im Süden noch wichtiger als im Norden - wegen der Klimaanlagen.

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