Wirtschaftsethik
Die Spielregeln der Globalisierung

Am 19. Juli steht die Moral wieder vor Gericht. An diesem Tag soll sich Josef Ackermann erneut für Abfindungszahlungen an Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser verantworten. Ackermann hatte nach dem Verkauf an Vodafone Prämien in ungewöhnlicher Höhe genehmigt. Doch die Richter klären nur die Frage der Untreue. In der Öffentlichkeit ist der spektakuläre Fall ein Symbol für Manager, die sich eigene Wertmaßstäbe setzen und jeglicher gesellschaftlichen Kontrolle entziehen.

DÜSSELDORF. Ob Moral oder Aktiengesetz: Ackermann, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, versteht das ganze Theater ohnehin nicht. Die außergewöhnliche Leistung eines Managers, so seine Argumentation, rechtfertige außergewöhnliche Anerkennung. 30 Millionen Euro Abfindung für Esser seien deshalb keine Veruntreuung von Firmenvermögen, geschweige denn unmoralisch. International sei das ohnehin üblich - nur nicht in der Neidrepublik Deutschland.

Der Fall geht deshalb weit über eine rein deutsche Wertedebatte hinaus. Wer die Globalisierung akzeptiert, muss auch deren Spielregeln akzeptieren. Daran, so die Mahnung des Ökonomen Josef Wieland, müssten sich die Deutschen erst noch gewöhnen. Schon der heftige Streit über Managergehälter, Tantiemen und Prämien gibt darauf einen Vorgeschmack. Angelsächsische Kapitalmarkt-Gepflogenheiten breiten sich in deutschen Landen aus - ob es Bürgern, Politikern oder Wissenschaftlern nun passt oder nicht. Und dazu gehören eben auch Vergütungen in bislang unbekannter Höhe.

Ironie der Geschichte ist nur, dass ausgerechnet die Sozialdemokraten die Öffnung des Kapitalmarkts so massiv vorantrieben wie keine (konservative) Regierung zuvor. Und dieselben Sozialdemokraten waren es, die später mit der Heuschrecken-Kritik Franz Münteferings die Folgen der Globalisierung am lautesten beklagten.

Egal wie die Richter am Düsseldorfer Landgericht jetzt urteilen werden, die Mannesmann-Millionen sind jedenfalls schon heute ein Paradefall für Wirtschaftsethiker: Der heftige Streit über Essers Prämien zeigt, dass das Paradigma der neoliberalen Schule keineswegs Konsens in Deutschland ist. "Der Kapitalismus als Wirtschaftssystem steht nicht mehr zur Debatte", sagt Wolfgang Streeck, Direktor am Max-Planck für Gesellschaftsforschung-Institut in Köln. Aber "kann es wirklich sein, dass nur die rigorose Profitmaximierung des Einzelnen gewährleistet, dass die knappen Ressourcen der Gesellschaft effizient verwendet werden?" fragt sich der Wissenschaftler nicht allein.

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