Wirtschaftsjournalistik
Wissenschaft für Außenseiter

"Wirtschaft", "Kommunikation", "Wissenschaft" - niemand würde bestreiten, dass dies wichtige Zukunftsthemen sind. Umso erstaunlicher, dass genau dort Funkstille herrscht, wo diese Fächer aufeinander treffen. Wirtschaftsjournalistik, die Wissenschaft vom Wirtschaftsjournalismus, führt ein Außenseiterdasein. Ein Fehler.

DÜSSELDORF. "Die meisten Kommunikationswissenschaftler tun sich mit Wirtschaft schwer. Sie haben mangels Vorbildung keinen Zugang zu diesem Thema", sagt Stephan Ruß-Mohl, Professor an der Universität Lugano. Ähnlich äußert sich sein Kollege Volker Wolff von der Universität Mainz. "Es gibt kaum Literatur." Deutschland ist dabei kein Einzelfall. Auch in anderen Ländern beschäftigt sich die Kommunikationswissenschaft kaum mit dem Wirtschaftsjournalismus.

Wie aber kann das sein? Wenn sich Wissenschaftler mit Journalismus befassen, sprechen sie gern von einer besonderen "öffentlichen Aufgabe". Medien, so lernen es die Studenten an der Universität, sollen Öffentlichkeit herstellen. Nur so können Journalisten das politische und soziale Handeln kontrollieren. Und kaum jemand wird bestreiten, dass Wirtschaft ein wesentlicher Teil dieses sozialen Handelns ist.

Der englische Ökonom Arthur Cecil Pigou hat einmal gesagt, dass Wirtschaft alles umfasst, was auf den Maßstab des Geldes gebracht werden kann. Und das ist eine ganze Menge. Kaum vorstellbar, dass es "Tagesschau"-Nachrichten gäbe, die nicht auf den Maßstab des Geldes gebracht werden könnten. Vorstellbar aber ist, dass ein großer Teil der Zuschauer die Fernsehnachrichten gar nicht erst versteht. Darauf jedenfalls gibt es deutliche Hinweise aus der Kommunikationswissenschaft.

Und nachweisbar ist, dass die Deutschen große Defizite bei ökonomischer Bildung haben. Was ist sicherer, die Aktie oder das Sparbuch? Und in welcher Stadt ist der Sitz der Europäischen Zentralbank? Immer wieder weisen Studien nach, dass Erwachsene Probleme haben, solche Fragen zu beantworten.

Dies zu ändern ist Sache von Lehrern, Bildungspolitikern - und Journalisten. In einer Zeit, in der Menschen eigenverantwortlich Entscheidungen treffen zur Altersvorsorge, zur Gründung eines Unternehmens oder zur Finanzierung ihres Studiums, wird der Umgang mit Wirtschaft zu einem gesellschaftlichen Schlüsselthema.

Der Wissenschaftler Stephan Ruß-Mohl beobachtet von der Schweiz aus die Entwicklung des europäischen Journalismus. "Medienforscher haben erst spät damit begonnen, sich jenseits der Politikberichterstattung um einzelne Berichterstattungsfelder zu kümmern", sagt der Leiter des Europäischen Journalismus-Observatoriums in Lugano. So seien auch Sportjournalismus oder Kulturberichterstattung wissenschaftlich vernachlässigtworden. "Erst in jüngster Zeit entdecken beide Seiten, wie spannend es sein kann, interdisziplinär zu arbeiten und aufeinander zuzugehen", sagt Russ-Mohl.

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