Wirtschaftsspionage
Zaudern statt plaudern

Wissenschaftler sind oft allzu unbekümmert, wenn es um den Schutz von verwertbaren Erkenntnissen geht. Mancher Forscher landet in Ländern, bei denen die Industriespionage zu den Aufgaben der Nachrichtendienste zählt, auf dem Boden der Tatsachen.

BERLIN. Die Androhung von einer Million Euro Konventionalstrafe hat ihre Wirkung nicht verfehlt. So viel hätte Peter Pepper, Forschungskoordinator am Berliner Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik an einen großen deutschen Automobilkonzern überweisen müssen, wenn auch nur eine Kleinigkeit des gemeinsamen Projekts nach außen gedrungen wäre.

Pepper ist von Hause aus vorsichtig, weil er weiß, wie schnell Wissen abgeschöpft wird. Deshalb verwischte er jede noch so kleine Spur, die entsteht, wenn etwa ein geöffnetes Word-Dokument etliche temporäre Daten anlegt. Denn diese Datenschnipsel sind nicht verschlüsselt und damit von einem Spion problemlos aus den Untiefen eines Rechners zu bergen.

Nun ist Peter Pepper alles andere als ein zugeknöpfter Typ, doch er weiß genau, wann er was an neuen Erkenntnissen in die Öffentlichkeit tragen kann. Wie schwer das ist und wie arglos deutsche Forscher mit ihrem Know-how zuweilen umgehen, diskutierten Wissenschaftler und IT-Sicherheitsexperten auf Einladung der Wista Management GmbH am Berliner Technologiepark Adlershof.

Dort, wo Grundlagenforscher und mittelständisch geprägte High-Tech-Unternehmen Tür an Tür arbeiten, stellt sich das Problem wie im Brennglas dar: Einerseits lebt die Wissenschaft vom offenen Austausch und Industriekontakten, andererseits muss geistiges Eigentum geschützt werden. Ein Spagat. „Wann sollte der Hebel umgelegt werden, damit der Rohstoff Wissen nicht abfließt?“ formuliert Wista-Sprecher Peter Strunk die Kernfrage. Die Antwort ist nicht ganz einfach. Schließlich müssen Forschungsgelder gewonnen, Investoren begeistert und die Veröffentlichungsliste gefüllt werden.

Recht schnell ist hingegen der Ist-Zustand beschrieben: „Kein Professor, kein Forschungsinstitut und nur ein Mittelständler aus der Papierverarbeitung ist bei uns Kunde“, berichtet Henning Krieghoff, Geschäftsführer von Rohde & Schwarz SIT, einem IT-Sicherheitsunternehmen, das sich besonders auf Kryptologie versteht. In russischen Labors hingegen müsse man kein Bewusstsein für das Thema wecken – hier hat Krieghoff etliche Kunden.

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