Wissenschaft
14-Jähriger bekam Herzklappe ohne OP

Erstmals in Deutschland hat ein Herzkranker ohne große Operation eine neue Herzklappe erhalten. Der knapp zweistündige Eingriff an dem 14-jährigen Patienten sei am Donnerstag in München wie geplant verlaufen, berichtete der Direktor des Deutschen Herzzentrums, Prof. Rüdiger Lange.

dpa MüNCHEN. Erstmals in Deutschland hat ein Herzkranker ohne große Operation eine neue Herzklappe erhalten. Der knapp zweistündige Eingriff an dem 14-jährigen Patienten sei am Donnerstag in München wie geplant verlaufen, berichtete der Direktor des Deutschen Herzzentrums, Prof. Rüdiger Lange.

Die Ärzte schoben den Klappenersatz mit einem Katheter durch die Leistenvene bis zum Herzen. Die Klappe wurde bei schlagendem Herzen und ohne Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine entfaltet.

Rund 250 Mediziner aus mehr als 25 Ländern verfolgten bei einem Symposium die Operation live am Bildschirm. In der Zukunft könnten derartige Eingriffe wahrscheinlich in unter einer Stunde durchgeführt werden, sagte Lange. „Für die Zukunft wird das so sein, dass die Patienten am nächsten Tag nach Hause gehen können.“ Die Methode wurde in London entwickelt und darüber hinaus bisher nur in Toronto angewendet.

Eine Komplikation gab es am Donnerstag bei der ebenfalls 14-jährigen Letizia aus Norditalien. Auch sie sollte eine neue Herzklappe bekommen. Wegen des größeren Durchmessers der Klappe musste bei ihr der Brustkorb geöffnet werden - die Katheter-Methode funktioniert bisher nur bei Klappen bis 22 Millimeter Durchmesser. Bei ihr wurde die Klappe über ein Spezialinstrument - einer Art überdimensionaler Spritze - direkt in das schlagende Herz injiziert. Jedoch verkantete sich die Klappe etwas dabei. Die Ärzte entschieden deshalb während des Eingriffs, eine konventionelle Klappe einzusetzen. „Man hätte es schon so lassen können, aber wir waren nicht ganz zufrieden - bei einem Kind muss alles absolut perfekt sein“, erläuterte Lange.

Letizia wie auch ihr gleichaltriger Mitpatient leiden an einem angeborenen Herzfehler namens Fallot'sche Tetralogie. Dabei ist unter anderem die Herzklappe zwischen rechter Herzkammer und Lungenschlagader zu klein, zu eng, missgestaltet oder fehlt völlig.

Ohne Schwierigkeiten verlief eine weitere Operation bei dem einjährigen Thomas aus Südtirol. In einem dreieinhalbstündigen Eingriff trennten die Ärzte bei dem Kleinen in einem komplizierten Verfahren die Herzkammern und vertauschten die großen Gefäße. Insgesamt werden an den zwei Kongresstagen bis zum Freitag zehn Live-Eingriffe mit neuesten medizinischen Techniken gezeigt.

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