Wissenschaft
Ärzte transplantieren Niere trotz Unverträglichkeiten

Tübinger Ärzten ist es mit einer neuen Methode gelungen, gleich mehrere Abstoßungsreaktionen bei einer Nierentransplantation zu unterdrücken. Dafür sei das Blut des Organempfängers umfassend gewaschen worden, berichtete die Universitätsklinik Tübingen am Montag.

dpa TüBINGEN. Tübinger Ärzten ist es mit einer neuen Methode gelungen, gleich mehrere Abstoßungsreaktionen bei einer Nierentransplantation zu unterdrücken. Dafür sei das Blut des Organempfängers umfassend gewaschen worden, berichtete die Universitätsklinik Tübingen am Montag.

Die Operation sei bereits im Juli dieses Jahres vorgenommen worden, hieß es weiter. Der mittlerweile 18-jährige Patient sei wohlauf, seine neue Niere funktioniere weiterhin.

Der Eingriff gelang demnach trotz vorliegender Blutgruppen- und Gewebeunverträglichkeit. Ärzte sprechen in einem solchen Fall von einer positiven Kreuzprobe zwischen Spender und Empfänger. Das Ersatzorgan stammte von der Mutter. Bei der Operation musste die Milz des Empfängers nicht entfernt werden, wie es wegen der hohen Infektionsgefahr sonst bei solchen Transplantationen üblich ist, berichteten die Ärzte zudem.

Während eine Unverträglichkeit der Blutgruppen schon seit längerem kein Hindernis für eine Nierentransplantation mehr darstellte, konnte bei einer positiven Kreuzprobe bisher nur in vereinzelten Fällen und nach Entfernung der Milz die Niere transplantiert werden, hieß es in Tübingen.

Für die Operation war eine ausführliche Vorbehandlung erforderlich: Eine spezielle Blutwäsche entfernte sowohl die Antikörper gegen die Blutgruppe der Mutter, als auch jene gegen die Gewebsmerkmale des von ihr gespendeten Organs. Zusätzliche Sicherheit schafften Medikamente, die das Immunsystem des Empfängers daran hindern, diese Antikörper nachzubilden.

Die Tübinger Operation sei ein Erfolg, vor allem angesichts des Mangels an Spenderorganen für eine steigende Zahl von Dialysepatienten, betonten die Ärzte. Viele Personen würden gerne innerhalb der Familie eine Niere spenden, konnten bisher aber oft wegen einer positiven Kreuzprobe nicht zur Spende zugelassen werden. Bei der nun vorgestellten Operation benötigten die Patienten offensichtlich nicht mehr Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems als nach einer konventionellen Transplantation.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation wurden im Jahr 2005 in Deutschland 2 190 Nierentransplantationen vorgenommen. Demnach warten momentan etwa 9 000 der rund 50 000 Dialysepatienten in Deutschland auf ein Spenderorgan.

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