Wissenschaft
Agrarwirtschaft kann Amazonas bis 2050 „halbieren“

Die Zunahme der Land- und Viehwirtschaft kann einer Studie zufolge schon bis 2050 rund 40 Prozent des Amazonas-Regenwalds in Südamerika vernichten. Die Ausbreitung von Rinderzucht und Sojaanbau im Amazonas-Becken habe die Geschwindigkeit der Abholzung deutlich erhöht.

dpa RIO DE JANEIRO. Die Zunahme der Land- und Viehwirtschaft kann einer Studie zufolge schon bis 2050 rund 40 Prozent des Amazonas-Regenwalds in Südamerika vernichten. Die Ausbreitung von Rinderzucht und Sojaanbau im Amazonas-Becken habe die Geschwindigkeit der Abholzung deutlich erhöht.

Das berichten US-amerikanische und brasilianische Wissenschaftler in der Zeitschrift „Nature“ (Bd. 440, S. 520) von diesem Donnerstag. Sie werde bald Allwetterstraßen in das Herz der Region treiben.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung müsse eine umfassende Strategie zur Erhaltung des Urwalds, der Artenvielfalt und der Stabilität der regionalen Klimazonen beginnen. Schutzgebiete im Amazonas-Becken seien zwar ein wichtiger, aber ungenügender Teil dieser Strategie.

Bei anhaltender Expansionsgeschwindigkeit der Land- und Viehwirtschaft würden bis 2050 rund 40 Prozent des aktuellen Amazonas-Regenwalds bei einer Freisetzung von rund 32 Mrd. Tonnen Kohlenstoff. Derzeit gebe es noch 5,3 Mill. Quadratkilometer Urwald und damit etwa 85 Prozent der ursprünglichen Fläche. In 44 Jahren würden nur noch 3,2 Mill. Quadratkilometer übrig bleiben.

Besonders betroffen würde nach der Studie der östliche Teil des brasilianischen Amazonas-Regenwalds. Weite Teile der Regenwaldfläche außerhalb Brasiliens, wie etwa in Bolivien, Peru und Kolumbien, würden dagegen wegen ihrer Entlegenheit bis Mitte des Jahrhunderts ebenso weitgehend unversehrt bleiben wie der nordwestliche Teil des Amazonas-Regenwalds in Brasilien.

Obwohl ein erweitertes System von Schutzgebieten rund einen Drittel dieser geschätzten Urwaldzerstörung verhindern könnte, seien Schutzmaßnahmen in privaten Landstücken ebenso unerlässlich, betonen die Wissenschaftler. Zunehmender Marktdruck für eine umweltverträgliche Bewirtschaftung und für die Verhinderung von Abholzung in nicht anbaufähigem Land seien bestimmende Bestandteile der umfangreichen Schutzstrategie.

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