Wissenschaft als Beruf
Wenig Geld und viele Umzüge

Wer in Deutschland Wissenschaftler werden will, geht meist ein großes persönliches Wagnis ein. Daran hat sich allen Förderprogrammen zum Trotz seit Max Webers Zeiten nichts geändert - ein Grund, weswegen viele Akademiker den Ausweg nach Amerika suchen.

Ermutigend war es nicht, was Max Weber zu sagen hatte: „Es ist außerordentlich gewagt für einen jungen Gelehrten, der keinerlei Vermögen hat, überhaupt den Bedingungen der akademischen Laufbahn sich auszusetzen“, heißt es in seinem berühmten Vortrag „Wissenschaft als Beruf“. „Er muß es mindestens eine Anzahl Jahre aushalten können, ohne irgendwie zu wissen, ob er nachher die Chancen hat, einzurücken in eine Stellung, die für den Unterhalt ausreicht.“

Weber (1864-1920) hielt seinen Vortrag 1919, doch Ulrich Teichler, Direktor des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung INCHER in Kassel hält ihn noch heute für aktuell. „An deutschen Hochschulen sind eigentlich nur die Professorenstellen gut und dauerhaft.“ Andere wissenschaftliche Arbeitsplätze seien zwar intellektuell höchst anspruchsvoll, aber auch höchst unsicher. „Nur jeder hundertste Hochschulabsolvent wird Professor, und wer das sein wird, kann niemand voraussagen“, sagt Teichler.

Angaben des statistischen Bundesamtes zufolge gibt es in Deutschland etwa 169 000 hauptberufliche Wissenschaftler. Davon sind rund 38 000 Professoren, 8 000 Dozenten oder Assistenten und rund 117 000 wissenschaftliche Mitarbeiter. Im Durchschnitt haben Professoren ein jährliches Brutto-Einkommen zwischen 45 000 und 80 000 Euro, promovierte Wissenschaftler verdienen rund 47 000 Euro und noch nicht-promovierte etwa 31 000 Euro.

In die letzte Kategorie fällt auch Anna Behm (Name geändert), Psychologie-Doktorandin an einem Forschungsinstitut in Berlin. Seit vier Jahren hat sie eine halbe Stelle und steht kurz vor der Promotion. 20 Arbeitsstunden pro Woche bezahlt das Institut, allerdings verbringt sie dort im Schnitt weitere 30 Stunden, um an ihrer Dissertation zu arbeiten. Ein solches Verhältnis sei üblich, meint Teichler. Die Nachwuchswissenschaftler finanzieren meist durch eine halbe Stelle ihre Promotion.

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