Wissenschaft
Analyse der Reisewege von Geldscheinen erleichtert Seuchenprognose

Die im Internet protokollierten Reiserouten von Dollarscheinen erleichtern die Vorhersage künftiger Epidemien. Auf den Spuren der Geldscheine beobachtete ein deutsches Forscherteam das moderne Reiseverhalten der US-Amerikaner und entwickelte ein mathematisches Modell dafür.

dpa GöTTINGEN/LONDON. Die im Internet protokollierten Reiserouten von Dollarscheinen erleichtern die Vorhersage künftiger Epidemien. Auf den Spuren der Geldscheine beobachtete ein deutsches Forscherteam das moderne Reiseverhalten der US-Amerikaner und entwickelte ein mathematisches Modell dafür.

Da Krankheitserreger ebenso wie Geldscheine durch Menschen von Ort zu Ort getragen werden, erlaubt das Modell eine bessere Vorhersage der Ausbreitung künftiger Seuchenzüge wie etwa einer Grippepandemie. Die Forscher um Dirk Brockmann vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation stellen ihre Arbeit im britischen Fachjournal „Nature“ (DOI: 10.1 038/nature04292) von diesem Donnerstag vor.

Die rasante weltweite Ausbreitung von Krankheitserregern ist durch die stark gestiegene Mobilität zu einer neuen Bedrohung geworden. Während historische Seuchen wie die Pest eher langsam und wellenartig vorwärts kamen, verbreiten sich Keime heute auf den Reiserouten der Menschen blitzschnell um den Globus. So benötigte die Pest im 14. Jahrhundert noch drei Jahre, um Europa von Süd nach Nord zu durchqueren - mit einem Durchschnittstempo von zwei Kilometern pro Tag. Die Lungenkrankheit Sars tauchte 2003 dagegen binnen Wochen auf mehreren Kontinenten auf. Es ist jedoch bislang nicht gelungen, solche Bewegungsströme ausreichend in der Theorie zu beschreiben, wie die Max-Planck-Gesellschaft betont.

Für ihr neues Modell analysierten die Wissenschaftler die Daten des Internetportals www.whereisgeorge.com, bei dem Freiwillige - vor allem zur Unterhaltung - den Umlauf von inzwischen rund 50 Mill. registrierten Dollarnoten protokollieren. „Da wir Menschen nicht wie Tiere mit Sendern verfolgen können, suchten wir Daten möglichst über Mill. von Bewegungen einzelner“, erläuterte Brockmanns Kollege Lars Hufnagel, der zurzeit an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara forscht.

Das Datenmaterial über die Reisewege der Geldscheine erlaube genaue Rückschlüsse auf das Reiseverhalten von Menschen unabhängig von den benutzten Verkehrsmitteln, sagte Brockmann. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Geldbewegungen und damit das moderne Reiseverhalten so genannten universellen Skalierungsgesetzen gehorcht. Sie besagen, dass das Reisemuster über kleine Entfernungen dem über große Distanzen gleicht.

Das auf Grundlage dieser Daten entwickelte mathematische Modell beschreibe mit bislang nicht gekannter Genauigkeit Reisebewegungen auf Entfernungen von einigen wenigen bis zu mehreren tausend Kilometern, betonen die Forscher. Da für viele Krankheitserreger die Ansteckungsmechanismen von Mensch zu Mensch gut bekannt seien, könne mit Hilfe der neuen Theorie erstmals eine globale Seuchenausbreitung realistisch berechnet werden.

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