Wissenschaft
Antlitz von Shakespeare bekommt Kontur

Das wahre Antlitz des britischen Dichterfürsten William Shakespeare bekommt Kontur: Das Magazin „Geo“ stellt in seiner März-Ausgabe erstmals eine Büste vor, die zu Lebzeiten Shakespeares (1 564-1 616) entstanden sein soll und die Züge des Dichters dreidimensional und in beispielloser Na...

dpa HAMBURG. Das wahre Antlitz des britischen Dichterfürsten William Shakespeare bekommt Kontur: Das Magazin „Geo“ stellt in seiner März-Ausgabe erstmals eine Büste vor, die zu Lebzeiten Shakespeares (1 564-1 616) entstanden sein soll und die Züge des Dichters dreidimensional und in beispielloser Naturtreue wiedergibt.

Das teilte die im Hamburger Verlag Gruner + Jahr erscheinende Zeitschrift am Montag mit. Sie beschreibe auch die Methoden, mit denen die Mainzer Professorin für Englische Literatur- und Kulturwissenschaft, Hildegard Hammerschmidt-Hummel, die Authentizität dieses und anderer Bildnisse des Dramatikers nachgewiesen hat. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es nur ein einziges Bild gibt, das tatsächlich zu Shakespeares Lebzeiten entstand.

Bei der dreidimensionalen Darstellung handelt es sich laut „Geo“ um die so genannte Davenant-Büste, ein Meisterwerk, das wenige Jahre vor dem Tod des Dichters entstanden sein müsse. Die heute in einem Londoner Club aufbewahrte Terracotta-Büste galt bisher als unecht, weil der Finder der Büste die Umstände verschleierte, unter denen er in Besitz des Kunstwerks kam. Den Hergang konnte Hammerschmidt-Hummel auf Grund der Tagebuch-Notizen des Finders, William Clift, rekonstruieren. Sie hat bei ihrer Forschung mit Experten verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen zusammengearbeitet.

So hat laut „Geo“ ein Sachverständiger des Bundeskriminalamtes signifikante Übereinstimmungen der Gesichtszüge der Davenant-Büste mit denen der Darmstädter Shakespeare-Totenmaske, des Chandos- und Flower-Porträts, der Grabbüste des Dichters und des bekannten Droeshout-Stichs festgestellt - Darstellungen, die für echt befunden oder den neuen Erkenntnissen zufolge unmittelbar auf Originalbildnisse des Dichters zurückgeführt werden können.

Als besonders aufschlussreich erwiesen sich demnach auch von Medizinern diagnostizierte Krankheitsmerkmale im Gesicht des Porträtierten. Praktisch alle Bildnisse enthalten Hinweise auf eine Verformung oberhalb des linken Augenlids, Schwellungen im linken inneren Augenwinkel und eine auffallend erhabene Stelle auf der Stirn. Die naturgetreue Wiedergabe auch solch wenig ästhetischer Details war zur Zeit der Renaissance üblich.

Auch für eine Ausstellung, die im März (2. bis 29.) in der Londoner National Portrait Gallery eröffnet wird, wurden mehrere Shakespeare-Porträts erstmals mit neuen wissenschaftlichen Methoden untersucht, um dem Aussehen des Dichterfürsten auf die Spur zu kommen. Demnach gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit nur ein einziges Bild, das tatsächlich zu Shakespeares Lebzeiten entstand und für das der Dichter Modell gesessen haben könnte. Dabei handelt es sich um das Chandos-Porträt - ein Ölbild, das zwischen 1 603 und 1 610 entstand und nach einer früheren Eigentümer-Familie benannt ist. Bei den Untersuchungen kam heraus, dass es tatsächlich von Anfang an einen etwa 40-jährigen Mann mit goldenem Ohrring zeigte. Im Lauf der Jahrhunderte wurden nach wissenschaftlichen Erkenntnissen dann aber beispielsweise Haare und Bart verändert.

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