Wissenschaft
„Ardi“ revolutioniert Bild unserer Urahnen

Die Geschichte der Menschheit ist deutlich älter als bislang angenommen. Und: Unsere ältesten Vorfahren waren viel weniger affenartig als bisher vermutet. Das zeigt ein sensationeller Fund aus Äthiopien. Amerikanische Anthropologen gaben ihm den Namen "Ardi", die wissenschaftliche Bezeichnung ist Ardipithecus ramidus. Ardi ist mit 4,4 Millionen Jahren sogar über eine Million Jahre älter als der berühmte Fund "Lucy".

HB WASHINGTON. Die von den Forschern geborgenen Überresten sind die einer etwa 1,20 Meter großen Frau mit einem Gewicht von etwa 50 Kilogramm, die rund eine Million Jahre vor Lucy in den Wäldern Afrikas lebte. Das Skelett von Lucy galt bislang das ältester bekannter Urahn des Menschen.

In elf Artikeln des US-Fachjournals "Science" beschreiben Wissenschaftler von Universitäten rund um die Welt ihren sensationellen Fund. Das fast komplette Skelett von Ardi wurde aus Teilen vieler Individuen, vor allem aber eines Weibchens zusammengesetzt, die seit 1994 gefunden worden waren. Das Skelett stammt aus der Afar-Region im Nordwesten Äthiopiens, ebenso wie Lucy (Australopithecus afarensis) und viele andere Vormenschen-Funde. Die Forscher zählen Ardi zu den Hominiden, den Menschenartigen.

Der Fund von Ardi stoße einige der bisher gängigen Annahmen zur Entwicklungsgeschichte des Menschen um, erklärte der Anthropologe C. Owen Lovejoy von der Universität Kent. Der jetzt entdeckte Humanoide sei nicht der gemeinsame Vorfahr von Mensch und Schimpanse, "aber es das nächste, was wir bislang gefunden haben", erklärte Tim White, der Direktor des Forschungszentrums zur Evolution des Menschen an der Universität von Kalifornien in Berkeley und einer der Hauptautoren der Studien. Die Entwicklungslinien von Homo sapiens und der heute lebenden Affen reichten vermutlich sechs bis sieben Millionen Jahre zu einem gemeinsamen Urahn zurück, sagte White.

Ardi hatte viele Merkmale, die es bei den heutigen afrikanischen Affen nicht gibt. Daraus schließen die Forscher, dass die Affen eine ausgeprägte eigenständige Entwicklung genommen haben, seit es den letzten gemeinsamen Urahn gab. Ardi besaß einzigartige Eigenschaften: Ihre Hände, Füße und ihr Becken deuten darauf hin, dass sie auf Bäume kletterte, sich aber auch aufrecht auf zwei Beinen auf dem Boden bewegte. Dabei benutzte sie allerdings nicht die Knöchel wie heutige Affen. Ihr Gehirn war noch klein wie das eines Schimpansen, die Schädelbasis ähnelte jedoch bereits der späterer Vormenschen.

Die vorgewölbte Schnauze war bereits flacher, die Reißzähne nicht lang und angespitzt wie bei den Affen. Dies deute auf eine friedliche, wenig aggressive Lebensweise hin. Ardi lebte vermutlich sowohl von Nüssen und Früchten wie auch von Insekten und kleinen Tieren. All dies zeige, dass unsere entfernten Vorfahren weniger "affenartig" waren und die heutigen Affen sich viel weiter von ihrem letzten gemeinsamen Vorfahren mit den späteren Menschen weg entwickelt haben als bisher vermutet, schreiben die Wissenschaftler. Dieser hypothetische Vorfahr wird derzeit in einem Zeitraum vor etwa sechs Millionen Jahren vermutet.

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