Wissenschaft
Atmosphäre hat immer passende Dosis eigenes „Waschmittel“

Die Atmosphäre hat trotz schwankender Schadstoffmengen immer ausreichend eigenes „Waschmittel“ für die Selbstreinigung zur Verfügung.

dpa JüLICH/LONDON. Die Atmosphäre hat trotz schwankender Schadstoffmengen immer ausreichend eigenes „Waschmittel“ für die Selbstreinigung zur Verfügung. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich und des Deutschen Wetterdienstes nach einer fünfjährigen Analyse der Hydroxyl-Konzentration in der Atmosphäre.

Das Hydroxyl-Radikal (OH) ist das wichtigste Reinigungsmittel der Lufthülle. Die Atmosphäre steuere die eigene Reinigung wesentlich effizienter als bisher angenommen, berichten die Wissenschaftler im britischen Fachjournal „Nature“ (Bd. 442, S. 184) von diesem Donnerstag. Der Sonne komme dabei eine überraschend große Bedeutung zu.

Das hochreaktive Hydroxyl startet den Abbau der meisten Schadstoffe und wird dabei auch verbraucht. OH-Radikale wandeln Schadstoffe in der Luft so um, dass sie bei Regen „ausgewaschen“ werden. „OH hat eine Lebensdauer von einer Sekunde. Es muss ständig produziert werden und reagiert ständig wieder weg mit den Schadstoffen“, sagte Franz Rohrer vom Jülicher Institut für Chemie und Dynamik der Geosphäre.

Die Forscher waren zuvor davon ausgegangen, dass mit zunehmender Schadstoffmenge nicht nur der Waschmittelverbrauch steigt, sondern dadurch auch die OH-Konzentration abnimmt. Umso erstaunter waren sie, dass das Auf und Ab der Waschmittelmenge nichts mit der Schadstoffkonzentration und dem Verbrauch zu tun hat, sondern nur mit der Sonneneinstrahlung zusammenhängt.

Die treibende Kraft für die chemischen Prozesse zur OH-Produktion sei die Sonne, betonte Rohrer. „Die Initialisierung macht die Sonne. Sie liefert durch das Licht, das durch Ozon absorbiert wird, die Energie, um die ganzen Prozesse am Laufen zu halten.“ Diese Prozesse müssen stabilisiert sein. Die Sonne als antreibende Kraft sei das Regulierungsinstrument. Die Waschmittelmenge werde bei Sonnenlicht immer passend nachgeliefert. Wie dieser komplexe Vorgang im Detail funktioniert, sei bisher nicht vollständig entschlüsselt.

Trotz gestiegener Schadstoffbelastung ist die Hydroxyl- Konzentration den Messungen zufolge auch langfristig nicht gesunken. „Forscher diskutieren seit einigen Jahren, ob die Atmosphäre die global steigende Luftverschmutzung nicht mehr verkraftet und daher die Menge des OH-Radikals abnimmt“, sagte Rohrer. Dafür gebe es bisher aber keinen Hinweis.

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