Wissenschaft
Bakterien-Erbgut soll Allergien eindämmen

Eine geschickte Ablenkung des Immunsystems hat Allergiker nach einem Bericht des britischen Magazins „New Scientist“ von ihren Symptomen befreit.

dpa LONDON/ZüRICH. Eine geschickte Ablenkung des Immunsystems hat Allergiker nach einem Bericht des britischen Magazins „New Scientist“ von ihren Symptomen befreit.

Die neuartige Therapie mit Erbgutschnipseln von Bakterien ist bislang allerdings erst in einer kleinen experimentellen Studie an zehn Patienten getestet worden, schreibt die Zeitschrift in ihrer Ausgabe von diesem Samstag (Nr. 2 571, S. 14).

Die neue Behandlung baut auf der so genannten Hygiene-Hypothese auf. Derzufolge entstehen Allergien, weil sich das unter heutigen hygienischen Verhältnissen unterbeschäftigte Immunsystem neue Gegner sucht. Daher lenkten die Mediziner der Schweizer Biotech-Firma Cytos Biotechnology in Zürich die körpereigene Abwehr von zehn Heuschnupfen-Patienten auf einen scheinbar gefährlicheren Feind als die Pollen: Sie spritzten ihnen Erbgutschnipsel, die denen von Mykobakterien ähnelten. Diese bedrohlichen Keime, zu denen etwa die Erreger von Lepra und Tuberkulose gehören, sind in Industrieländern heute selten.

Die Injektion veranlasste das Immunsystem der Probanden tatsächlich zu einer Taktikänderung, wie der „New Scientist“ unter Berufung auf die Firma berichtet. Es produzierte vermehrt T1- Helferzellen, die schließlich statt der mit Allergien in Verbindung gebrachten T2-Helferzellen das Immunsystem dominierten. Die Empfindlichkeit gegenüber Gräserpollen sank dem Bericht zufolge um das Hundertfache. Nach Angaben der Firma seien die Patienten nach einer sechswöchigen Behandlung bis zu acht Monate symptomfrei geblieben - allerdings lasse sich über die Dauer der Wirkung noch keine Aussage treffen.

Die beobachtete Wirkung lege nahe, dass diese Art Behandlung nicht nur gegen Heuschnupfen, sondern gegen alle Arten von Allergien helfen könnte, bei denen das fehlgeleitete Immunsystem eigentlich harmlose Substanzen attackiert. In einem früheren Versuch seien auch Patienten mit einer Hausstauballergie erfolgreich behandelt worden, hieß es. Die Firma testet ihren Ansatz nun in einer weiteren Studie mit 100 Heuschnupfen-, Hausstauballergie- und Neurodermitispatienten.

Nach Auskunft des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie, Prof. Gerhard Schultze- Werninghaus (Bochum), werden ähnliche Ansätze derzeit an mehreren Orten weltweit verfolgt.

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