Wissenschaft
Britische Forscher wollen Embryonen aus Mensch und Kuh schaffen

Britische Wissenschaftler wollen zu Forschungszwecken Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Kühen schaffen. Mit Hilfe solcher Chimären wollen die Forscher menschliche embryonale Stammzellen gewinnen, wie die BBC am Dienstag berichtete.

dpa LONDON/MüNCHEN. Britische Wissenschaftler wollen zu Forschungszwecken Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Kühen schaffen. Mit Hilfe solcher Chimären wollen die Forscher menschliche embryonale Stammzellen gewinnen, wie die BBC am Dienstag berichtete.

Die Versuche sollen zeigen, ob sich solche Stammzellen für die Behandlung schwerer Krankheiten eignen. Bei dem Verfahren sollen Zellkerne mit menschlicher DNA, die beispielsweise aus Hautzellen entnommen werden, in Eizellen von Kühen verpflanzt werden. Zuvor müssen die Kerne der Kuhzellen mit dem Kuh-Erbgut entfernt werden. In Deutschland sind derartige Versuche mit menschlichem Erbgut verboten.

Ein Antrag für die Versuche wurde vom North-East England Stem Cell Institute (Nesci) bei der zuständigen Behörde gestellt, der Human Fertilisation and Embryology Authority (Hfea). Später sollen nach den Vorstellungen der Forscher aus der nordenglischen Stadt Newcastle so auch Embryonen aus Mensch und Kaninchen, Ziegen und anderen Tieren entstehen. Unter anderem solle damit der Bedarf für die komplizierten und unangenehmen Eizellspenden von Frauen gesenkt werden, hieß es.

„Der Vorteil bei der Verwendung von Kühen wäre, dass man nahezu unbegrenzt Eizellen zur Verfügung hätte“, erläuterte der Münchner Stammzellforscher Wolfgang-Michael Franz, der an dem Projekt nicht beteiligt ist. „Das Problem daran ist, dass man zwar den Zellkern austauschen kann, aber nicht die Mitochondrien.“ Diese so genannten Zellkraftwerke besitzen eigenes Erbgut. Dieses bleibt in der entkernten Kuh-Eizelle erhalten, so dass die entstehenden Embryonen formal Chimären wären. Das berge die Gefahr von Abstoßungsreaktionen. „Niemand weiß im Moment, wie schwer diese Reaktion ausfallen würde“, betonte Franz. „Es ist jedoch davon auszugehen, dass die so gezüchteten Stammzellen die gesamte menschliche Zellsteuerung haben würden.“

Gegner einer solchen Art von Stammzellforschung nannten die Absicht der britischen Forscher „abscheulich“. Sollte es zu den Versuchen kommen, werde „der Unterschied zwischen Tieren und menschlichen Wesen ausgehebelt“, sagten sie der Zeitung „Daily Telegraph“.

Der Leiter des Forscherteams, Lyle Armstrong, betonte hingegen, mit Hilfe von „Chimären-Embryonen“ könnten neue Methoden zur Behandlung von Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer oder Diabetes gewonnen werden. Armstrong war im vergangenen Jahr an der Schaffung des ersten geklonten menschlichen Embryos beteiligt. Das geplante Verfahren erlaube eine effektivere Herstellung von Stammzellen als es mit rein menschlichen Zellen möglich sei, argumentierten die Befürworter.

Die Zellen der Mischembryonen wären nach Darstellung des „Daily Telegraph“ zu 99,9 Prozent menschlich, hätten jedoch etwa 0,1 Prozent Tier-Gene. Nach britischen Gesetzten müssten diese Embryonen - sollte die Genehmigung überhaupt erteilt werden - nach maximal 14 Tagen zerstört werden. Sie wären dann nicht größer als ein Stecknadelkopf.

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